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Alte Musik - The Fiery Genius

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Neapolitanische Instrumentalmusik

Die Stadt Neapel galt im 18. Jahrhundert als die Musikmetropole Italiens und wartete mit glänzender Hof- und Kirchenmusik, mit einem vorbildlichen Ausbildungssystem an den Konservatorien und grandiosen Opernaufführungen auf.

Der englische Musikreisende Charles Burney bescheinigte den Neapolitanern noch am Ende des Jahrhunderts einen "fiery genius": "n ihrer Manier, Musik auszuführen, herrscht ein Nachdruck und Feuer, dergleichen man vielleicht in der ganzen Welt nicht findet."

Eine besondere Spezialität aus Neapel waren zu Beginn des 18. Jahrhunderts großbesetzte Streicherkompositionen für zwei bis vier Soloviolinen und Basso continuo. Trotz seiner unbestrittenen Qualität ist dieses reiche Repertoire heute nur wenig bekannt und eingespielt.

Ein wenig zu brav

Enrico Gatti hat sich nun mit seinem Ensemble Aurora intensiv der neapolitanischen Instrumentalmusik gewidmet und eine CD mit Streicherwerken von Leonardo Leo, Giovanni Carlo Cailò, Pietro Marchitelli und Nicola Fiorenza herausgebracht. Die Stücke mit ihren stets relativ kurzen Sätzen sind von großer Abwechslung geprägt, es finden sich darin strenge Fugen ebenso wie anrührend-galante und rasant-virtuose Sätze.

Enrico Gatti setzt diese Kompositionen mit großer Genauigkeit um und kann dabei auf ein verlässliches und homogenes Ensemble bauen. Allerdings vermisst man gerade in den schnellen Sätzen den im CD-Titel angekündigten "feurigen Genius". Kontraste könnten hier stärker herausgearbeitet werden, gewisse Motive könnten mitreißender klingen und einige Tempi könnten auch noch angezogen werden. So bleiben die langsamen Sätze die Höhepunkte in einer insgesamt ein wenig zu braven Interpretation dieser grandiosen feurigen Musik vom Vesuv.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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