George Antheil: A Jazz Symphony; Montage: rbb
Bild: Capriccio

Orchester - Amerikanische Sinfonien

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Experiment und Provokation: Die sinfonischen Werke von George Antheil und Aaron Copland sind Beispiele für die vielfältige Musikkultur der USA.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom europäischen Neoklassizismus wie auch vom nordamerikanischen Jazz beeinflusst, haben sich beide Komponisten auch Ausflüge in die mexikanische Folklore gegönnt.

Musikalisches Monument

1946 hat Aaron Copland seine Sinfonie Nr. 3 uraufgeführt, eine moderne Pastorale, die nach den Jahren des Krieges den langersehnten Frieden feiert. Schon 1942 hatte Copland im Auftrag des Cincinnati Symphony Orchestra seine berühmte "Fanfare for the common man" komponiert, eine patriotische Hymne für Blechbläser und Perkussion, die im Schlusssatz der Sinfonie im Mittelpunkt steht.

Leonard Bernstein hat Coplands Sinfonie 1947 in Europa uraufgeführt und das Werk in der Folge ein "musikalisches Monument" genannt – vergleichbar mit dem Lincoln Memorial, dem berühmten Freiheitsdenkmal in Washington.

Freiheit

Dennoch war Copland in den Fünfzigerjahren den Verfolgungen des  McCarthy-Komitees für "unamerikanische Aktivitäten" ausgesetzt. Seine Werke waren zeitweilig verboten, er selbst wurde der Sympathie mit der Kommunistischen Partei verdächtigt. Erst in den Sechzigerjahren wurde Copland rehabilitiert und von Präsident Johnson mit der "Medal of Freedom", der amerikanischen Freiheitsmedaille ausgezeichnet.

Radikalität

So wie Aaron Copland hat auch George Antheil seine musikalische Ausbildung in Paris erhalten und in den Zwanzigerjahren mit der Verbindung von europäischer Kunstmusik mit nordamerikanischem Jazz experimentiert. Antheil geht hierbei radikaler als Copland vor, lässt in seiner "Jazz Symphony" Walzerklänge und expressives Jazzklavier aufeinanderprallen, fügt aber auch stilsicher mexikanische Folklore und allerlei Geräusche der Großstadt hinzu.

Für die umfänglichen klanglichen Herausforderungen dieser sinfonischen Collage des 20. Jahrhunderts zeigen sich Karl-Heinz Steffens und seine Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz bestens vorbereitet, unterstützt dabei von nicht weniger als drei Pianisten, die in dieser aufregenden Musik die solistischen Glanzlichter setzen.

Provokation

Der Titel seiner 1945 erschienen Autobiographie "Bad Boy of Music" charakterisiert bis heute recht gut das Selbstverständnis George Antheils, der oft als Provokateur, aber immer noch viel zu selten als hochtalentierter Komponist angesehen wird.

Hans Ackermann, kulturradio

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