"Daniel Barenboim – A Retrospective – The Complete Sony Recordings"
Bild: Sony Classical

Retrospektive - "Daniel Barenboim – A Retrospective – The Complete Sony Recordings"

Bewertung:

Dies ist vor allem wegen der Klavieraufnahmen mit Daniel Barenboim eine trotz viel durchschnittlichem Beifang habenswerte Sache, zumindest für Sammler.

Die von den amerikanischen Firmen Columbia, CBS und Sony aufgenommen Barenboim-Aufnahmen seit 1967 versammelt eine große Box mit 43 CDs und 3 DVDs, enthaltend vor allem seine Jahre beim London Philharmonic Orchestra und beim Orchestre de Paris, dazu einen (späteren) Schubert-Zyklus mit den Berliner Philharmonikern und wenige Klavieraufnahmen.

Die Aufnahmen zeichnen vor allem die Lehr- und Erntejahre eines Dirigenten nach, der sein Handwerk durchaus lernen musste. Die 2. Symphonie von Elgar klingt noch sehr nach Richard Strauss. Sein Berlioz sucht Wagners Nähe. Für späten Schubert wählt Barenboim einen Bruckner-Duktus. Man sieht, dass Barenboims (in Interviews oft dokumentiertes) Insistieren darauf, man müsse die Sprachen verschiedener Komponisten akzentfrei zu sprechen und zu unterscheiden wissen, immer auch als kritisches Porträt seiner selbst gemeint war.

Als Pianist herausragend

So sind die Rosinen im Riesen-Kuchen dieses Großbäckermeisters eher selten. Gebildet werden sie meist von seinen Freundschaftsdiensten als Pianist: den hinreißenden Schubert-Sonatinen mit Isaac Stern oder den Brahms-Sonaten mit Itzhak Perlman (beides war sehr lange Zeit vergriffen). Auch die Burleske von Strauss (mit Mehta am Pult) habe ich nie schöner spielen gehört als von Barenboim (auch nicht von Rudolf Serkin oder Glenn Gould). Beim Wiener Neujahrskonzert von 2014 (hier auf CD wie auch auf DVD enthalten) machte er einen exzellenten Job.

Viel durchschnittlicher Beifang

So ist dies eine trotz viel durchschnittlichem Beifang – und angesichts eines Preises von teilweise weit unter 100 Euro – habenswerte Sache, zumindest für Sammler. Täuscht aber nicht darüber hinweg, dass die wichtigsten Aufnahmen dieses Künstlers größtenteils bei der EMI erschienen (heute Warner; vor allem Mozart und Beethoven). Dass sich Barenboim schon in den 70er Jahren großflächig mit Edward Elgar (und mit Berlioz) beschäftigt hat, lernt man gleichfalls. Erscheint aber im Rückblick kaum noch wichtig.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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