Gaetano Donizetti: Streichquartette Nr. 1-3; Montage: rbb
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Kammermusik - Gaetano Donizetti: Streichquartette Nr. 1-3

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Fast jeder Musikdramatiker wollte irgendwann in seinem Leben beweisen, dass er Kammermusik schreiben kann. So auch Belcanto-Opernkomponist Gaetano Donizetti, dessen Streichquartette Nr. 1-3 jetzt bei cpo erschienen sind.

Die hier eingespielten drei sind die ersten in einer Reihe von jahrelangen Versuchen, sich der Gattung zu nähern. Donizetti war 20 Jahre alt und gerade mit seinem Musikstudium fertig, als diese Quartette entstanden. Das sind also keine Schülerarbeiten, sondern eher erste Früchte des  frischgebackenen Profis, sicher nicht nur zum Vergnügen entstanden, sondern auch, um seinem väterlichen Gönner, Freund und Lehrer Simon Mayr zu zeigen: Ich kann was, ich bin jetzt ein waschechter Berufsmusiker.

Einer, der sich langsam entwickelt

Eine Art Initiationsritus eines italienischen Komponisten um 1800 war das Studium bei Padre Stanislao Mattei, dem größten Experten auf dem Gebiet des Kontrapunkts. Dass Donizetti dort war, merkt man seinen Quartetten nicht an – sie haben weder kontrapunktische noch besonders trickreiche satztechnische Finessen. Die Durchführung genügt den Ansprüchen, die man an einen Profi stellt, bringt aber nichts Neues oder gar Außergewöhnliches.

Man merkt – Donizetti ist einer, der sich langsam entwickelt, sich tastend ausprobiert, seine Stärken erst mit den Jahren herausfindet.  Erst der 30-jährige wird den Durchschnitt der Zeitgenossen überragen.

In der Volksmusik verwurzelt

Dennoch überrascht die Sparsamkeit in den melodischen Ausdrucksmitteln – Donizettis große Stärke ist ja, dass er mehr als jeder andere italienische Komponist des 19. Jahrhunderts in den populärmusikalischen Traditionen seines Landes wurzelt, dass seine Melodien zutiefst in der italienischen Volksmusik fußen und dennoch so originell umgegossen werden, dass sie immer sein Eigentum bleiben.

Der Komponist von "l'elisir", "Lucia" und "Campanello" gibt sich hier noch ganz elitär. Dennoch – oder grade deshalb – ist er relativ frei von fremden Einflüssen und beweist starke Individualität, wenn auch eine ganz andere als zehn Jahre später, als seine Opernkarriere endlich Fahrt aufnimmt.

Der Funke springt nicht über

Klar ist das akademischere Musik als die berühmten Quatro-Sonaten des jungen Rossini, dennoch könnte ich mir in dieser Aufnahme manches noch federnder, eleganter, auch drängender vorstellen. Das Pleyel Quartett sollte das eigentlich gut bewältigen, und es ist merkwürdig, dass der Funke hier, bei einem so spannenden und aufgeschlossenen Ensemble, nicht immer überspringt. Das könnte an den historischen Instrumenten liegen, die hier gespielt werden – die sind mir für diese Musik von 1817 doch zu antiquiert. Bis auf das Cello stammen alle aus dem 18. Jahrhundert.

Das färbt für mich diese Musik zu rückwärtsgewandt ein: Ich glaube, auch wenn das ketzerisch klingt, die Stärken der Stücke hätten sich auf modernen (oder doch moderneren) Instrumenten besser entfaltet.

Matthias Käther, kulturradio

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