Giuseppe Verdi: "Requiem"
Bild: LSO live

Vokalmusik - Giuseppe Verdi: "Requiem"

Bewertung:

Eine durchschnittliche Aufnahme des Werkes, die allein durch den Chor besticht.

Der London Symphony Chorus, das London Symphony Orchestra und ein Solistenquartett hat unter der Leitung von Gianandrea Noseda eine neue Aufnahme des Requiems von Giuseppe Verdi herausgegeben.

Bestechender Chorklang

Es ist der Mitschnitt zweier Konzerte, die am 18. und 20.9.2016 in London stattgefunden haben. Das Glanzstück der Aufnahme ist der Chor (Einstudierung Simon Halsey). Allein dafür lohnt es, sich mit dieser CD zu befassen.

Schon am Beginn, wenn der Chor bei dem nahezu unhörbaren Anfang (überschrieben mit "sotto voce") seine Visitenkarte abgibt, und dann zum Kyrie hin aufblüht, weiß man eigentlich schon, dass der Chor die Perle dieser Aufführung ist.

Großes Klangspektrum

In diesem Requiem sind alle Empfindungen vertont, die ein Mensch in Phasen der Trauer durchlebt: das Anhalten des Atems im Angesicht des Todes, die Erschütterung, auch die die Wut über die Überlegenheit des Todes und die Hoffnung, und zwar für die Diesseits Gebliebenen …

All diese auskomponierten Empfindungen weiß der Chor musikalisch umzusetzen. Er besitzt ein unendliches Potential, Klangfarben zu erzeugen und ein breites dynamisches Spektrum. Dabei singt er tragend, voluminös, aber nicht opernhaft. Und der Dirigent versteht es, aus Chor und Orchester alles herauszuholen, was das Werk verlangt, bis hin zu den extremen Abstufungen zwischen lyrischer Demut und aufbrausender Wut.

Opernhaftes Solistenquartett

Aber die Solisten sind mir streckenweise zu opernhaft. Da ist oft zu viel Druck in den Stimmen, zum Beispiel beim Tenor, wenn er sich in die Höhen schwingen muss. Die lyrischen Passagen, wie im "Lux aeterna", lässt er wiederum überzeugend ausklingen.

Der Bassist besitzt eine wohlklingende Mittellage, poltert zuweilen ein wenig. Ebenso die Mezzosopranistin – auch sie besitzt eine wunderbare Mittellage, forciert aber in der Höhe. Am ausgewogensten klingt die Sopranistin. Sie verfügt über ein silbriges Timbre und vermag in allen Registern zu glänzen.

Aber wenn Sopran und Mezzosopran im „Agnus Dei“ im Oktavabstand singen müssen, kommt kein ausgeglichener Tonstrom zustande. Vielleicht hätte hier die Aufnahme-Technik helfen können. (Überhaupt hätte die Technik manches besser machen können - der Chor ist z.B. oft an der Grenze zum Zerren, z.B. in den lauten Höhen beim "Dies Irae"). So bleibt dies eine durchschnittliche Aufnahme des Werkes, die allein durch den Chor besticht.

Astrid Belschner, kulturradio

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