Josef Schelb: Kammermusik mit Klarinette
Bild: Toccata Classics

Kammermusik - Josef Schelb: Kammermusik mit Klarinette

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Im Feuer eines Bombenangriffs auf seine Heimatstadt Karlsruhe im Jahr 1942 hat der Komponist Josef Schelb die meisten seiner bis dahin verfassten Werke verloren. Die CD präsentiert Ausschnitte aus dem "zweiten Leben" des Komponisten - zeitgenössische Kammermusik mit Klarinette, entstanden zwischen 1947 und 1966.

Spätromantik, Impressionismus und Moderne - wie sein Zeitgenosse Paul Hindemith hat auch Josef Schelb verschiedene Epochen erlebt.

Schon früh wird sein Talent entdeckt. Schelb, der aus dem Südschwarzwald stammt, kann in Basel und später in Genf studieren, wird Pianist, Komponist und schließlich Professor an der Musikhochschule in Karlsruhe.

Feuersturm

Der verheerende Bombenangriff  auf seine Heimatstadt im Jahr 1942 führt dazu, dass ein Großteil seiner Werke verbrennt. Schelb ist zu diesem Zeitpunkt als Hochschullehrer Teil der gleichgeschalteten nationalsozialistischen Kulturbürokratie. Im Entnazifizierungsverfahren wird er nach 1945 aber nur als sogenannter "Mitläufer" eingestuft.

Schelb gibt in den damaligen Akten zu Protokoll "Ich habe nie nazistische Texte komponiert und meine musikalische Auffassung wurde als modern, undeutsch und international abgelehnt".

Neubeginn

Seine Kammermusik ist tatsächlich modern, in höchstem Maße expressiv und mit großer handwerklicher Kunst geschrieben. Schelb komponiert wie Arnold Schönberg mit 12 Tönen, orientiert sich aber auch am Neoklassizismus - eine Suche nach neuen Klängen im atonalen Raum.

Schelbs "Nachkriegsmusik" entsteht  in enger Zusammenarbeit mit dem öffentlich-rechtlichen Südwestfunk, der ab 1950 die künstlerische Verantwortung für die "Donaueschinger Musiktage" übernimmt, das älteste Festival für Neue Musik in Deutschland.

Rundfunk

In den Baden-Badener Studios des ehemaligen Südwestfunks (SWF), der heute Südwestrundfunk (SWR) heißt, ist die CD in vorzüglicher Klangqualität  aufgenommen worden. Die Klarinettistin Bettina Beigelbeck und das Busch Kollegium Karlsruhe erweisen sich als versierte Interpreten, die in verschiedenen Besetzungen  - Duo, Quartett, Quintett -  eine intellektuell herausfordernde Klangwelt hörbar werden lassen.

Musikwissenschaft

Einzelheiten aus der wechselvollen Lebensgeschichte des Komponisten, der sich in seinen letzten Lebensjahren zum Komponieren oft in die Höhenlagen des  Südschwarzwalds zurückgezogen hat,  werden im Booklet nur angedeutet. Hier kann die umfangreiche wissenschaftliche Biografie von Margot Eisenmann-Eschenbacher zusätzlich gute Dienste leisten. Der schlichte Titel dieser lesenswerten  Forschungsarbeit, die in der Reihe "Karlsruher Beiträge zur Musikwissenschaft" erschienen ist, lautet  "Der Komponist Josef Schelb" (Verlag Peter Lang, 2001).

Hans Ackermann, kulturradio

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