Kei Koito: "Splendour"
Bild: deutsche harmonia mundi

Norddeutsche Orgel- & Chorwerke - Kei Koito: "Splendour"

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Großes Farbspektrum: Die japanische Organistin Kei Koito – seit vielen Jahren auf Barockinstrumente spezialisiert – hat ihre neueste CD an der Scherer-Orgel in Tangermünde eingespielt.

Die Orgel in der Stephanuskirche von Tangermünde ist eines der wertvollsten Instrumente aus der frühen Barockzeit. Sie wurde 1624 von Hans Scherer d. J. erbaut, einem Orgelbauer, der in Hamburg gelebt hat und zahlreiche Werke in Norddeutschland errichtet hat. Die meisten der Scherer-Orgeln sind jedoch im Laufe der Zeit zerstört oder bis zur Unkenntlichkeit umgebaut worden. Einzig das Werk in Tangermünde ist erhalten geblieben und dank der umfassenden Restaurierung von 1994 auch in der originalen Klanggestalt spiel- und hörbar. Mit rund 50 % Originalpfeifen weist die Orgel zudem den größten zusammenhängenden Pfeifenbestand einer Orgel aus dieser Zeit auf.

Klangfarbenreiches Orgelspiel

Die japanische Organistin Kei Koito, die seit vielen Jahren auf Barockinstrumente spezialisiert ist, hat ihre neueste CD an der Scherer-Orgel in Tangermünde eingespielt. Als Repertoire wählte sie vorrangig Kompositionen der norddeutschen Orgelschule um Dietrich Buxtehude, Heinrich Scheidemann, Jakob Praetorius und Georg Böhm. Das ist besonders beziehungsvoll, da die meisten dieser norddeutschen Kantoren auf Scherer-Orgeln oder ähnlich disponierten Instrumenten gespielt, improvisiert und komponiert haben.

Und so ist es wirklich faszinierend, welch großes Farbspektrum Kei Koito der Tangermünder Orgel entlockt. Mächtig klingen die Prinzipale, gravitätisch die Zungenstimmen, geradezu zärtlich manche Flöte und Aliquotstimme. Kei Koito registriert sehr überlegt und abwechslungsreich, so dass immer wieder neue Klangfarben zu hören sind. Auch die Aufnahmetechnik ist sehr gut, die Kirchenakustik wird nicht verleugnet, und dennoch verschwimmen die Klänge nicht.

Getrübter Gesamteindruck

Etwas getrübt wird der Gesamteindruck der CD durch den Einsatz des Vokalensembles Il Canto di Orfeo, das auf einige der Choralvorspiele die entsprechenden Lieder in mehrstimmigen Sätzen singt. Die fünf Italiener singen nicht besonders homogen, außerdem kaum textverständlich und nicht immer intonationsrein. Vielleicht hätte man für diese Vokalteile doch ein Ensemble aus der Region bevorzugen sollen.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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