John Pickard: Sinfonie Nr. 5 | Sixteen Sunrises; Montage: rbb
Bild: BIS Records

Orchester - Neue Musik in Europa

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Kräftige Kontraste stehen im Vordergrund der sinfonischen Werke des britischen Komponisten John Pickard (*1963). Sein schwedischer Kollege Tommie Haglund (*1959) begreift das Weltall als "klingenden Kosmos".

Aus dem Wechsel schneller und langsamer Tempi entsteht in John Pickards Sinfonie Nr. 5 der zentralen Kontrast, den der Komponist in einem einzigen Satz zur "sinfonischen Einheit" führt. Pickard überträgt darin der Perkussion die Aufgabe, das Tempo mal langsam, mal schnell zu gestalten.

Anders als im herkömmlichen Orchester sind es hier gleich drei Paukisten, die mit ihren jeweils vier großen Kesselpauken zu hören sind, aufgestellt links, in der Mitte und rechts hinter dem Orchester. Dadurch entstehen mächtige, rollende, pulsierende Klänge, die gleich in den ersten Takten der Sinfonie für ein aufregendes Erlebnis im tiefsten Klangbereich sinfonischer Musik sorgen.

Sonnenaufgänge

In große Höhe führt uns Pickard dann in seinen "Sixteen Sunrises". Für dieses Werk  hat sich der Professor für Komposition im südenglischen Bristol gedanklich in die internationale Raumstation ISS begeben. Dort brauchen die Astronauten für einen Erdumrundung etwa 90 Minuten, so dass sie im Laufe eines Tages nicht weniger als 16 Sonnenaufgänge erleben können.

Der Kontrast in dieser Komposition besteht in hellen und dunklen Klängen, entsprechend dem Wechsel von nächtlicher Finsternis und hellem Tageslicht.

Weltraum

Die Vorliebe für kosmische Themen teilt John Pickard mit seinem nur wenige Jahre älteren schwedischen Kollegen Tommie Haglund. Dessen Cellokonzert "Flaminis Aura" spielt sich ebenfalls in den Weiten des orchestralen Weltraums ab. Ein heller Stern zieht dort als extrem hohe Violinstimme vorbei, während das Cello – gespielt vom hervorragenden Solocellisten der Göteborger Sinfoniker, Ernst Simon Glaser – auf eigenen klanglichen Umlaufbahnen unterwegs ist.

Das schon 2001 uraufgeführte, jetzt neu eingespielte Werk hat Tommie Haglund ganz zu Recht zum Durchbruch als zeitgenössischem Komponisten verholfen: 2014 wurde ihm für "Flaminis Aura" von der Königlichen Schwedischen Musikakademie der "Stora Christ Johnson"-Musikpreis verliehen, der wichtigste Musikpreis Schwedens.

Komplexität

Beide Alben präsentieren Einblicke in die Komplexität zeitgenössischer Musik, die in Großbritannien – wie in Deutschland – von exzellenten Rundfunkorchestern präsentiert wird. Die Komplexität der Musik beider Alben bringt es mit sich, dass ein Blick in das Booklet erhellende Einsichten bringen kann, beide "Beihefte" leisten hier mit aufschlussreichen Texten sehr gute Dienste. Und man erfährt auch, dass sich Tommie Haglund von "irdischen" Wundern inspirieren lässt: der Blick aus den Augen des gerade geborenen Enkelkinds hat ihn zur "Serenata per Diotima" für Streichorchster angeregt, Musik, die dem Album einen friedvollen Ausklang gibt.

Hans Ackermann, kulturradio

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