Veronique Gens Visions
Bild: alpha classics/ Montage: rbb

Orchester - Veronique Gens: "Visions"

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Die französische Sopranistin Véronique Gens ist eine der vielseitigsten und experimentierfreudigsten französischen Sopranistinnen der Gegenwart. Vom Frühbarock über Mozart und Gounod bis hin zur Lustigen Witwe hat sie fast alles gesungen, was für ihre Stimme geeignet ist. Jetzt stellt sie uns "Visionen" vor, so der Titel ihres neuen Solo-Albums beim Label "alpha classics".

Wir sind inzwischen durch die Politikersprache an eine Ausdeutung des Begriffs "Vision" gewöhnt, die sehr weltlich orientiert ist. Gemeint ist:  nach vorne schauen, die Zukunft planen, optimistisch sein. Das alles ist hier nicht gemeint, es geht um die romantische Vision, sprich religiöse Verzückung, emotionale Innenschau, wahnhafte Gesichte. Versammelt sind auf der Scheibe bekannte und unbekannte französische Komponisten, deren "visionäre" Szenen zwischen 1850 und 1920 entstanden, wobei auf wirklich bekannte Hits ganz verzichtet wurde. Der Fokus liegt auf unbekannteren entgrenzten Piecen.

Aufwühlend und originell

Paradoxerweise klingen die Stücke der berühmten Meister wie Franck oder Bizet hier eher blass im Vergleich zu den ganz unbekannten Komponisten wie Niedermeyer, Fevrier oder Bruneau. Letztere wirkten auf mich mit ihren vertretenen Arien so aufwühlend und originell, dass ich mir sofort das ganze Werk dazugewünscht hätte. (Niedermeyer! Schweizer Komponist und Rossini-Schüler, hier zu hören mit einer derart grandiosen Leonoren-Arie aus seiner Stradella aus dem Jahr 1837, dass ich gleich mal neugierig in seinem Werkverzeichnis geblättert habe. Es gibt eine Maria Stuart von ihm! Wär das nicht mal was für die Opernfestivals in Montpellier, Wildbad oder Wexford?)

Véronique Gens – großartig wie immer

Sämtliche Szenen aus diversen Kantaten, Oratorien und Opern sind würdevoll und aufregend gesungen. Alles klingt frisch, auch in der Extase noch äußerst stabil, niemals eng oder angestrengt. Ich höre die reifere Véronique Gens  inzwischen sogar lieber mit ihren neuen Aufnahmen der letzten zehn Jahre als in der Periode davor, weil wir hier den glücklichen, seltenen Fall haben, dass eine Sopranistin im Falcon-Fach mit den Jahren wirklich immer besser, reifer, interessanter klingt.

Sie ist dank ihrer Neugierde und Offenheit für Rares auch darstellerisch gewachsen, sie gestaltet jede Szene anders, es ist wirklich eine Freude ihr zuzuhören, zumal sie von Hervé Niquet, einem souveränen Kenner französischer musikalischer Extravaganzen, am Pult begleitet wird.

Matthias Käther, kulturradio

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