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CD - Andrè Schuen / Boulanger Trio: Beethoven Lieder

Bewertung:

Ein Opernsänger und ein Klaviertrio mit Beethoven-Liedern von den britischen Inseln

Das Boulanger Trio, drei ganz hervorragende Musikerinnen, gibt es seit elf Jahren, sie haben sich mittlerweile einen festen Platz in der Kammermusikszene erarbeitet, und einige werden sie vielleicht von ihrer Kammermusikreihe kennen, die sie seit 2012 in Berlin und in Hamburg regelmäßig veranstalten, die Boulangerie. Auf ihrer neuen CD sind sie aber mal nicht mit Kammermusik, sondern mit Liedern von Ludwig van Beethoven zu hören, die sie zusammen mit dem Bariton Andrè Schuen aufgenommen haben.

Mit Franz Schubert wurde das Klavierlied im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Genre. Vorher war das Lied noch variationsreicher, mit vielerlei unterschiedlichen Besetzungen. Eine davon ist wie gemacht für das Boulanger Trio, für Bariton und Klaviertrio – und die hat Beethoven in gleich drei Liedersammlungen genutzt: In seinen Schottischen Liedern, den Irischen Liedern und den Walisischen Liedern, zusammen sind das weit über 100 Lieder. Einige der schottischen und der irischen Lieder sind auf dieser CD zu hören.

Ein schottischer Beamter mit großer Leidenschaft für die Volkslieder seiner Heimat

Dahinter steckt der schottische Beamte George Thomson aus Edinburgh. Zu Beethovens  und Thomsons Zeit gab es gerade eine Bewegung in Schottland, die die alten Volkslieder sammeln und erhalten wollte, und Thomson hat in den 1790ern selbst angefangen, Volkslieder zu sammeln – die beste, größte Liedersammlung sollte das werden. Nun brauchte er aber Arrangements, und da hat er sich nicht an seine Landsleute gewandt, sondern bei Ignaz Pleyel, bei Leopold Kozeluch und bei Joseph Haydn angefragt – von denen kamen dann auch diverse Volksliedbearbeitungen in englischer Sprache. Und schließlich hat er sich auch an Beethoven gewandt – und da hat eine intensive Zusammenarbeit ihren Lauf genommen.

Oft hat Beethoven Melodien ohne Texte bekommen, er wusste also absolut nicht, worum es eigentlich gerade inhaltlich geht – Lieder ohne Worte waren das in ihrer ursprünglichen Gestalt. Thomson hat die Texte in der Zwischenzeit neu in Auftrag gegeben, bei Robert Burns oder Walter Scott zum Beispiel. Er wollte die Originaltexte mit ihren Derbheiten und dem schottischen Dialekt möglichst umgehen.

Selten gehörte Beethoven-Lieder

Formal sind das Klavierwerke mit Streicherbegleitung, das war die Vorform des Klaviertrios, die nachträglich dann noch mit dem jeweiligen Text bestückt wurden. Aber Beethoven hat sich natürlich nicht auf die bloße Begleitung beschränkt, Geige und Cello haben ihre ganz eigenständigen Stimmen, sie kommentieren, treiben durch ein Pizzicato auch mal voran – und die Streicher übernehmen oft die typisch schottischen oder irischen Elemente, mit ihren markanten Rhythmen.

Andrè Schuen und das Boulanger Trio gestalten die Lieder mit viel Spaß an der Sache, das Zusammenspiel ist großartig. Eine sehr schöne CD mit Liedern, denen man im normalen Konzertbetrieb nicht oft begegnet, wer Beethoven-Lied meint, meint ja gerne Ich liebe Dich… aber da gibt es eben doch noch sehr viel mehr, was sich lohnt zu hören. Ergänzt werden die Lieder in der Besetzung für Bariton mit Klaviertrio mit drei Klavierliedern: An die ferne Geliebte, In questa tomba oscura und, doch noch ein Kracher: Adelaide.

Anja Herzog, kulturradio