Imre Széchényi: Lieder; Montage: rbb
Bild: audio.max/MDG

Gesang - Imre Széchényi: Lieder

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Die CD mit Liedern von Imre Széchényi (1825-1898) lässt uns einen außerordentlich begabten Komponisten der Romantik wiederentdecken. Zu Lebzeiten wurde die Musik des ungarischen Adligen von Franz Liszt oder Johann Strauß aufgeführt.

Graf Imre Széchényi war im Hauptberuf ein hochrangiger Diplomat. Als österreichisch-ungarischer Botschafter hat er ab 1844 in Paris, Rom und Brüssel die Donaumonarchie diplomatisch vertreten. Sein privates Interesse aber galt der Musik, seit Széchényi als Kind am Wiener Hof von Privatlehrern auch in Klavierspiel und in Komposition unterrichtet worden war. Schon früh hat er Lieder und Klavierstücke geschrieben, später auch Streichquartette und Orchesterwerke.

Französischer Auftakt

Die meisten der insgesamt 22 Lieder dieser CD sind Vertonungen französischer Dichter, darunter Victor Hugo,  Pierre Jean de Béranger oder auch Charles Guillaume Etienne. Sein Lied "La cendrillon" eröffnet das Album mit beeindruckender Klarheit und Einfachheit. Die Sopranistin Katharina Ruckgaber singt das Lied ungekünstelt, gleichzeitig mit großer Kunst. Dies liegt zweifellos auch am herausragenden Liedgestalter Helmut Deutsch, dessen detailliertes Klavierspiel das gesamte Album prägt und überstrahlt.

Zwischenspiel mit Stock

Nach den "Six Romances" kommt dann ein eher ungewöhnliches Instrumentarium zum Einsatz: die "Csakan", die ungarische "Stockflöte" ist im Duett mit der Sopranistin zu hören. Der Flötist Peter Thalheimer bedient diese besondere "Gehhilfe", die ihren Namen tatsächlich dem Umstand verdankt,  dass die Flöte in einen hölzernen Spazierstock "eingebaut" ist. Ein Exemplar dieser wohlklingenden musikalischen Kuriosität, die um das Jahr 1800 in Wien erfunden wurde, ist zum Beispiel im Berliner Musikinstrumentenmuseum ausgestellt.

Kunstlied

Nach diesem Zwischenspiel betritt der Bariton Jochen Kupfer erstmals die Bühne, ausgestattet mit dem Ehrentitel "Bayerischer Kammersänger" und ehemaliger Schüler von Dietrich Fischer-Dieskau. Kupfer ist für Széchényis eingängige Vertonungen deutschsprachiger Texte zuständig, darunter Gedichte von Eichendorff, Müller und auch Schubarts "Der Gefangene".

Starke Texte, die Széchényi in höchster Qualität vertont hat und als exzellenter Pianist in seinem Salon auch selbst am Flügel begleitete. Seine Schwägerin Mariette hat damals den Gesangspart übernommen, sein Bruder Dénes Flöte und Horn dazu gespielt

Hausmusik

Die CD präsentiert romantische Haus- und Salonmusik im allerbesten Sinn. Innig und authentisch wird hier unter der stilsicheren Leitung von Helmut Deutsch ein klug zusammengestelltes Programm dargeboten, dass man gern auch einmal im Konzert erleben würde. Als Einspielung haben wir es hier zweifellos schon mit einem Höhepunkt des Jahres zu tun.

Hans Ackermann, kulturradio

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