Jean-Baptiste Vanhal: Konzerte für Klarinette, Oboe & Fagott © Et'cetera
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Kammermusik - Jean-Baptiste Vanhal: "Konzerte für Klarinette, Oboe & Fagott"

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Musik der Wiener Klassik ist ein weites Feld, das weit mehr zu bieten hat als Haydn und Mozart, Entdeckungen kann man da noch Einige machen, z.B. Solokonzerte für  Holzblasinstrumente von Johann Baptist Vanhal.

Dieser Komponist ist immer noch nicht so bekannt, wie er sein sollte. Auch wenn sich da in den letzten Jahren doch Einiges getan hat, sowohl auf den Konzertpodien, als auch im Bereich der CD. Wer Haydn und Mozart schätzt, der mag auch Johann Baptist Vanhal, zumal er mit beiden Heroen in Kontakt stand. Haydn nahm den jüngeren Vanhal unter seine Fittiche, hat ihm auch diverse Wege in die Wiener Society geebnet. Zu Mozart bestand aber wohl eher ein Konkurrenzverhältnis.

Da gibt es Briefstellen, in denen Mozart über Vanhal lästert - heute sicher ein Fall für die Boulevardpresse. 1777 spielte Mozart, das ist verbürgt, in Augsburg ein Violinkonzert von Vanhal. In einem Brief an seinen Vater schrieb er aber nur lakonisch: "Ich spielte unter allgemeinem Beifall das Konzert in B von Vanhal." Mehr nicht. Und dann gibt es noch die anekdotische Überlieferung eines Treffens aller drei Komponisten: Haydn, Mozart und Vanhal, da wäre ich gerne dabei gewesen! Im Haus eines Adligen in Wien fand es ein Streichquartettabend statt mit Haydn und Mozart als Geigern, Carl Ditters von Dittersdorf an der Bratsche und eben Vanhal am Cello, eine absolute Star-Formation würde man heute sagen…

Preußisches Kammerorchester Prenzlau

Wolfgang Anadeus Mozart war für Vanhal ein Vorbild sicher was das Erfinden von Melodien betrifft, gerade beim Genre Solokonzert mit Orchester. Allerdings - er war ja Cellist, hat er hauptsächlich für Violine und Violoncello komponiert. Auf dieser neuen CD finden sich nun aber fast alle der wenigen Konzerte Vanhals für Holzblasinstrumente.

Im Konzert für zwei Fagotte - absolut ungewöhnliche Besetzung - spielen sich die beiden Solisten perfekt die Bälle zu. François Baptiste, der eine, stammt aus Paris, ist Mitglied der Philharmonie Luxemburg seit 1991.Und Luc Loubry, der andere, ist Belgier, Wallone aus Antwerpen, und spielt im belgischen Nationalorchester Fagott. Hans Rotman, der Dirigent der Aufnahme ist Niederländer. Und dazu kommt das Preußische Kammerorchester Prenzlau, das hier hervorragend spielt, sehr akzentuiert, durchsichtig und musikantisch.

Die Wurzeln dieses Orchesters liegen in der DDR, im 1954 gegründeten damaligen Staatlichen "Kreiskulturorchester" Prenzlau. Das hat die Wende, leider abgespeckt überstanden, wurde Kammerorchester. Bereits 1994 unternahm man erste Tourneen nach Dänemark, Pakistan und in die USA. Sitz des Orchesters ist die Kreisstadt Prenzlau am Uckersee. Gastdirigenten wie Alun Francis, Rolf Reuter oder Jürgen Bruns standen am Pult. Heute gehört das Orchester zur Uckermärkischen Kulturagentur und bespielt den Norden Brandenburgs und den Süden von Mecklenburg-Vorpommern. Auf der CD erscheint der Name Prenzlau allerdings nicht, das ist wohl auf dem internationalen Markt wohl nicht verkaufsfördernd. Im Booklet wird es als "Prussian Chamber Orchestra" bezeichnet.

Dirigent Hans Rotman viel gemacht in seinem Leben. Er hat das Festival für Neue Musik "Impuls" im Bundesland Sachsen-Anhalt ins Leben gerufen und in den letzten Jahren sehr profiliert. Aber auch die ältere Musik beherrscht er ebenso gut, er kommt schließlich aus dem Pionierland des Originalklangs, er hat aber auch das nötige Gefühl für die Böhmisch-österreichische Art zu musizieren. Und das hört man besonders in den lyrischen Sätzen der Vanhal-Konzerte.

Neben den beiden erwähnten Fagottisten Luc Loubry und François Baptiste überzeugt auch Michel Lethiec auf dieser CD. Er war mehr als dreißig Jahre lang Professor am Pariser Conservatoire, hatte Generationen von Klarinettisten ausgebildet. Inzwischen ist er im Ruhestand. Aber er tritt nach wie vor auf. Und er leitet auch seit vielen Jahren das renommierte Pablo-Casals-Musikfestival im südfranzösischen Prades.

Ein absoluter Genuss

Last but not least muss auch Piet van Bockstal erwähnt werden. Er war Schüler u.a. des Solooboisten der Berliner Philharmoniker Hansjörg Schellenberger, aber auch von seinem Landsmann Paul Dombrecht, der ja einer der ersten virtuosen Spieler der Barockoboe war. Piet van Bockstal beherrscht also beide Sprachen, und das hört man in dieser Aufnahme, er spielt moderne Oboe, aber mit passender Rhetorik der Mozartzeit. Er ist seit vielen Jahren Solooboist im königlich-philharmonischen Orchester von Flandern und hat auch zahlreiche Werke uraufgeführt, die ihm gewidmet wurden. Auch er überzeugt auf dieser CD, mich besonders mit seiner Virtuosität und Flexibilität in den schnellen Sätzen.

Die Solisten, die das Preußische Kammerorchester Prenzlau für diese Aufnahmen von vier Holzbläserkonzerten gewinnen konnte, sind allesamt Meister ihres Fachs. So wird die Entdeckung dieser vergessenen Musik zu einem absoluten Genuss!

Claus Fischer, kulturradio

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