Ludwig van Beethoven: Missa solemnis © Pentatone
Bild: Pentatone

Gesang - Ludwig van Beethoven: Missa solemnis

Bewertung:

Die neue CD-Aufnahme der "Missa solemnis“ von Ludwig van Beethoven überrascht, denn sie umgeht die Falle des Heroischen und der übersteigerten Expressivität.

Von Herzen zu Herzen

Beethoven hat ja in die Partitur geschrieben, dass dieses Werk "von Herzen zu Herzen“ gehen möge. Nur hat Beethoven den Herzen sehr viel zugemutet, sowohl den Herzen der Interpreten als auch den Herzen der Zuhörer.

So bewegt sich das Werk für den Chor immer in Lagen, die ungünstig zu singen sind, nämlich in den hohen Bruchlagen. Und es wird von allen Interpreten viel Fortissimo verlangt. Auch das Orchester und die Solisten haben es nicht leicht. So scheuen sich auch viele Dirigenten, dieses Werk aufzuführen. Sogar Furtwängler wollte es nicht dirigieren. Er hat es mit 44 Jahren aufgeführt, dann nicht mehr…

Es ist nicht nur die Ehrfurcht vor diesem Werk, die eine solche Scheu davor entstehen lässt, es ist auch, weil man so leicht in die Falle des Heroischen hineingerät, die da quasi ein-komponiert ist.

Marek Janowski versucht, diese Klippen zu umschiffen und die dauernde Expressivität zu entschärfen.

Liebe zum Detail

Marek Janowski ist ein Kapellmeister im besten Sinne. Er hat jedes Detail einzeln untersucht und abgeklopft, und sich dadurch nicht zum Heroischen verleiten lassen. Er bleibt sachlich und kontrolliert. Er nimmt alle Tempi recht flott, manchmal an der Grenze des Machbaren, vor allem für die Solisten. Dadurch entsteht aber dieses nach-Vorne-Drängende, das dem Werk gut tut und sich diesem "Feierlichkeits-Gestus“ entgegenstellt.

Diese Kirchenmusik, die ja letztlich für den Konzertsaal komponiert wurde, hat eigentlich etwas ständig Angespanntes, auch weil es die fff-Zeichen so häufig in der Partitur gibt. Janowski entschärft alles und entzieht sich dem Fortissimo-Rausch. Er hilft also eigentlich dem Werk!

Ein humanes Werk

Es ist eine überraschende, gelungene CD.

Hervorheben muss man vor allem den Chor, der ja mit zu den besten seiner Art gehört, und das Werk bravurös meistert - mit Wohlklang und Innigkeit, ohne Sentimentalität und ohne Überspannung.

Der Dirigent gibt den namhaften Solisten die Möglichkeit, sich zu entfalten, und nicht ständig im Fortissimo singen zu müssen – und alle vier nutzen diese Möglichkeit. In diesem Werk ist auch von ihnen viel Ensemblegeist gefragt, denn die Solisten können nicht mit Arien brillieren - sie müssen sich immer anpassen und miteinander musizieren. Der Ensemblegeist ist durchaus spürbar, und entwickelt im Laufe der Interpretation – die vier Solisten wirken also wirklich als Solistenquartett und füllen somit ihren schweren Part überzeugend aus.

Das Orchester übertrifft sich selber. Es spielt inspiriert, klangvoll und gibt dem Ganzen den Drive.

Marek Janowski hat dieses heroische Werk in ein humanes Werk verwandelt. Und trotz der Detailfreudigkeit ist es eine geschlossene Interpretation geworden - sehr erfrischend, sehr gelungen.

Astrid Belschner, kulturradio

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