Rudolf Serkin: The Complete Columbia Album Collection © Sony
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Solisten, Orchester, Kammermusik - Rudolf Serkin: The Complete Columbia Album Collection

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Begonnen hat Serkins Karriere 1920 in Berlin. Nahezu das Lebenswerk des amerikanischen Pianisten Rudolf Serkin (1903-1991) versammelt jetzt eine 75 CD-Box der Sony.

Darin fehlt vor allem das Toscanini-Konzert (das für RCA entstand) und einige Deutsche Grammophon-Aufnahmen der späten Jahre (darunter ein Zyklus mit Mozart-Klavierkonzerten unter Claudio Abbado). Stattdessen können wir uns die Tugenden eines zu seiner Zeit maßstabsetzenden und standardbildenden Pianisten vor Augen führen, der fleißiger war als alle anderen US-Kollegen seiner Zunft.

Ein Essentialist, kein Zirkusartist

Berühmt war Serkin vor allem als Beehoven-Spieler, welcher durch Furor und Energetik sowohl den Vorwärtsdrang wie die (kontrapunktische) Plastizität dieses Komponisten zur Geltung brachte. Um es satirischer auszudrücken: Gemessen an diesem Turbo-Dialektiker sind alle heutigen Beethoven-Pianisten Waschlappen und Warmduscher! – Serkin vermied den Fehler, Beethoven auf Haydn und Mozart zurückführen zu wollen, und war doch dank seiner k.u.k.-Herkunft (er stammte aus Eger und floh schon 1933 vor den Nazis) dazu befähigt, das altösterreichische Herz bei Schubert und auch bei Brahms höher schlagen zu lassen – mit aller Gesanglichkeit, vielleicht sogar Sentimentalität, die dazu gehört. Ein Virtuose dagegen war er nicht, wie die rumpelnden Läufe schon des mittleren Serkin deutlich machen. Ein Essentialist, aber kein Zirkusartist. Auch darin unterscheidet von den meisten Heutigen.

Für Sammler und Fortgeschrittene

Begonnen hatte auch Serkins Karriere 1920 in Berlin, wo er bei dem berühmten Geiger Adolf Busch wohnte (dessen Tochter Irene er später heiratete). Busch ebenso wie Pablo Casals, für dessen Marlboro-Festival er prägend wurde, sind in dieser Box mit vertreten. Ansonsten gibt’s Brahms und Mozart unter George Szell, Beethoven-Konzerte unter Bruno Walter, Ormandy und Bernstein. Sowie viele Solo-Werke (auch von Chopin, Reger und Bach). Sie zeigen Serkin niemals als Enzyklopädisten, sondern als "Episodisten". Denn die amerikanischen Firmen bevorzugten es offenbar schon damals, lieber dieselben Werke technisch auf den neuesten Stand zu bringen statt Repertoirelücken zu füllen. So finden sich hier auch etliche Doubletten (vor allem bei Beethoven und Brahms), wodurch diese Gesamtschau (für um die 160 Euro) vielleicht eher etwas für Sammler und Fortgeschrittene ist.

Wer sich über die enormen, heute auf der Verlustliste stehenden Beethoven-Fähigkeiten informieren will, findet parallel eine (billige) 11 CD-Box als Alternative. In puncto Beethoven, seinem Kerngebiet, steht Serkin gleichrangig neben Backhaus, Arrau und Gulda.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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