Chopin: Nocturnes © Alpha
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Klavier - Chopin: "Nocturnes"

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Der argentinische Pianist Nelson Goerner zeigt sich als feinfühliger Interpret der Nocturnes von Frederic Chopin. Die insgesamt 21 Stücke dauern jeweils nur wenige Minuten, weisen aber größten emotionalen Gehalt auf.

Nach Beethovens Hammerklaviersonate op. 106 hat sich Nelson Goerner jetzt erneut einen Meilenstein der Klavierliteratur vorgenommen: die Nocturnes, die Chopin über sein gesamtes Leben verteilt komponiert hat. Das Album beginnt bei den frühen Stücken op. 9 und reicht bis zu den späten Nocturnes op. 62, die kurz vor dem Tod des Komponisten im Jahr 1849 fertiggestellt wurden.

Nachtmenschen

Die Nocturnes von Frederic Chopin sind Beispiele für die hochentwickelte Kunst dieses Komponisten, aus einer einfachen Melodie eine ausgedehnte Klavierfantasie entstehen zu lassen, die nach dem emotionalen, bisweilen ekstatischen Ausbruch in der Mitte wieder zur Schlichtheit des Anfangs zurückkehrt. Wilde Träume, quälende Ängste, emotionale Zerrissenheit - Chopin hat in diesen kurzen Stücken dem Seelenleben der Nachtmenschen eine musikalische Form gegeben.

NelsonGoerner © Jean-Baptiste Millot
© Harald Hoffmann

Rubinstein

Nelson Goerner hat diese Musik bereits als Kind auf Schallplatten des großen Arthur Rubinstein kennengelernt. Dessen Merkmal eines  "glückseligen Spiels", wie die Besonderheit Rubinsteins gern beschrieben wird, findet man auch bei Nelson Goerner. Seine Freude am Klang, seine Begeisterung für das Klavierspiel ist stets hörbar.

Barenboim

Als Professor für Klavier unterrichtet Nelson Goerner ein kleine Meisterklasse an der Berliner Barenboim-Said-Akademie - eine glückliche Personalentscheidung von Daniel Barenboim, der mit Goerner einen hervorragenden Pianisten und Lehrer nach Berlin geholt hat. Im Konzert wird Nelson Goerner im März 2018 im Boulez-Saal zu erleben sein, auf dem Programm dann sicherlich auch diese hervorragend aufgenommenen Nocturnes von Chopin.

Hans Ackermann, kulturradio

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