Sean Shibe: Dreams and Fancies; Montage: rbb
Bild: Delphian

Gitarre - "Dreams and Fancies"

Bewertung:

Mit einem durchdachten Programm, farbenreichen Klängen und höchster spieltechnischer Präzision beeindruckt das CD-Debüt des jungen schottischen Gitarristen Sean Shibe.

Gitarristische Schlüsselwerke englischer Komponisten des 20. Jahrhunderts – unter anderem  William Waltons "Five Bagatelles" und Benjamin Brittens "Nocturnal after John Dowland" – umrahmen auf dieser CD ausgesuchte Werke von John Dowland wie die "Forlorn Hope Fantasy".

Klangzauber

Sean Shibe gestaltet die Musik mit Tönen, die er einer schier unendlich großen Palette von Gitarrenklangfarben entnimmt, von zart-verhangen bis kräftig und klar, von süßlich-weich bis metallisch-akzentuiert. Hinzu kommt ein enorm erweiterter Dynamikumfang, der vom leisesten Hauch bis zum kräftigen Forte-Schlag reicht. Die Töne bildet Shibe dabei mit allen nur erdenklichen spieltechnischen Finessen.

Sicher kommt bei diesem 1992 in Edinburgh geborenen Musiker die Tatsache zum Ausdruck, dass er mit Paolo Pegoraro, Professor für Gitarre in Graz, einen der besten Lehrer hatte. Unterstützt wird Shibes Klangzauber aber auch vom Umstand, ein Meisterinstrument des niederländischen Gitarrenbauers Bert Kwakkel zu spielen – vor gut zehn Jahren für den damaligen Jungstudenten des Edinburgher Konservatoriums angefertigt.

Breams Erbe

Sämtliche auf dieser CD eingespielten zeitgenössischen Werke wurden ursprünglich für Julian Bream komponiert. Der 1933 geborene Londoner hat wie kein zweiter die klassische Gitarrenmusik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts befördert, kann aber seit einigen Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr spielen. Sean Shibe erweist mit seinen Interpretation jetzt dem Vorbild die Ehre – und empfiehlt sich gleichzeitig sehr überzeugend als dessen möglicher Nachfolger.

Hans Ackermann, kulturradio

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