Franz Xaver Richter: Sinfonien, Triosonaten und Oboenkonzert, Montage: rbb
Bild: Note 1/ © Christophorus, Montage: rbb

Alte Musik - Franz-Xaver Richter: Sinfonien, Trisonaten und Oboenkonzert

Bewertung:

Die Komponistengeneration, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts aktiv war, hat es im heutigen Urteil nicht gerade leicht. Anscheinend viel zu groß sind die Schatten der vorherigen Generation um Bach und Händel, aber auch der folgenden um die Wiener Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven.

Hartnäckig hält sich für diese Zeit die unglückliche Epochenbezeichnung "Vorklassik", die impliziert, das hier viel Unfertiges komponiert wurde, das die "wahre" Klassik nur vorbereitet habe.

Solch lineare Geschichtsbilder kann die neue CD des Capricornus Consorts Basel ad absurdum führen. Die acht bravourösen Musiker porträtieren darauf den Komponisten Franz Xaver Richter, der dieser "Zwischengeneration" angehört. Richter wuchs in Mähren auf und gelangte 1747, nach einer ersten Anstellung in Kempten, an den berühmten Mannheimer Hof, wo er rund zwei Jahrzehnte als Sänger, Violinist und "Cammercompositeur" Kurfürst Carl Theodors wirkte. 1769 verließ er die kurpfälzische Residenz und diente bis zu seinem Tod als Domkapellmeister in Straßburg.

Neue Stilmerkmale im spannungsvollen Miteinander

Alte und neue Stilmerkmale sind in Richters Instrumentalwerk omnipräsent und verbinden sich zu einem eindrucksvollen Gesamtbild. Gelehrte Fugen und kontrapunktische Ansätze stehen neben galanten Melodien, die Bassstimme ist zum Teil noch als barocker Continuo zu erkennen, wird aber immer wieder auch gleichberechtigt in die Themenarbeit einbezogen. Alte und neue Elemente plätschern hier nicht als belanglose "Vorklassik" dahin, sondern ergeben ein spannungsvolles Miteinander.

Hochkonzentrierte Leistung des Capricornus Consorts Basel

Möglich macht diesen Eindruck die zu jedem Zeitpunkt hochkonzentrierte und engagierte Leistung des Capricornus Consorts Basel. Bis ins kleinste Detail sind die Sonaten, Sinfonien und Konzerte durchgearbeitet, die solistische Besetzung der Instrumentalstimmen ergibt dabei ein höchstmögliches Maß an Transparenz. Dynamische Kontraste (typisch für die "Mannheimer Schule") geraten wirkungsvoll akzentuiert, kontrapunktische Strukturen sind perfekt nachvollziehbar, hinzu kommt die makellose Aufnahmequalität. Hervorragend ergänzt wird der exklusive Streicherklang des Capricornus Consorts im Oboenkonzert g-Moll von der Barockoboistin Xenia Löffler.

Bernhard Schrammek, kulturradio

Weitere Rezensionen

Pretty Yende: Dreams © Sony
Sony

Gesang - Pretty Yende: Dreams

Pünktlich mit einem Jahr Abstand hat die südafrikanische Sopranistin Pretty Yende ihre zweite Solo-CD vorgelegt. Wieder singt sie Arien des französischen und des italienischen Repertoires. Im Auge behalten?

Bewertung: