Jonas Kaufmann: L’Opéra; © SONY
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Arien - Jonas Kaufmann: "L'Opéra"

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Kann er das? Auf seiner neuen CD singt der berühmteste Tenor der Gegenwart, Jonas Kaufmann, 14 Arien (und Duette) des französischen Repertoires.

Zwei Rollen, nämlich Don José (in "Carmen") und Faust (in Berlioz' "La damnation de Faust") sind noch in seinem aktuellen Repertoire. Andere wie Des Grieux (in Massenets "Manon") oder Gounods Faust hat Jonas Kaufmann früher einmal gesungen (oder in einzelnen Arien aufgenommen).

Stimmliche Bedenken

Obwohl Kaufmann inzwischen ins schwere Fach der Verdi- und Wagner-Helden hineingewachsen ist, zeigt seine (im April/Mai 2017 aufgenommene) Stimme keinerlei Blessuren oder Brüche. Die Diktion ist vorbildlich (Kaufmann ist in der Lage, in fließendem Französisch Interviews zu geben).

Zugleich ist unverkennbar, dass die Stimme des 48-Jährigen an Glanz und Strahlkraft inzwischen verloren hat. Sie wirkt fast grundsätzlich "verschattet" und leicht angerauht. Auch sind Einbußen in der Elastizität und Geschmeidigkeit seines Tenors nicht zu bestreiten. Die Linien schwingen nicht, die Stimme wirkt versteift. So dass es hier insgesamt zwar keine ideomatischen, sprachlichen, wohl aber stimmliche Bedenken gibt.

Jonas Kaufmann; © Gregor Hohenber

Kaufmanns Trumpf

Im Duett mit Sonya Yoncheva (als Manon) kann Kaufmann durch Emphase wettmachen, was ihm an Eleganz mittlerweile fehlt. Das aber führt zu einer Italianisierung, zu einem "Sich-in-die-Brust-Werfen", das der hier gestellten Aufgabe kaum angemessen scheint. Am Besten ist er bei den heldischeren Partien wie Massenets "Cid" oder dem Éléazar in Halévys "La Juive". Und im "Perlenfischer"-Duett gemeinsam mit Ludovic Tézier.

Sehr unterschiedliche Ergebnisse insgesamt, obwohl dem Album gerade die Tatsache zu schaffen macht, dass Kaufmann zu oft denselben Trumpf ausspielt: die Kraft-Karte. Was mal als Muskelspiel, mal als Zähnefletschen, seltener wie ein Löwe bei seiner mittäglichen Siesta rüberkommt.

Monotones Ergebnis

Gewiss ist Kaufmann bei den exeptionellen Aufgaben, die ihm hier gestellt werden, von kaum einem Zeitgenossen leicht zu überbieten. Das ändert an einer gewissen Monotonie des Ergebnisses aber nichts. Mir fehlt stilistische Raffinesse.

Es ist außerdem Kaufmanns Problem, wie mir scheint, dass er noch immer von dem Versuch nicht lassen kann, zu beweisen, dass er bei unterschiedlichster Belastung jeglichem Repertoire unreduziert gewachsen ist. Die meisten Alben des Sängers konnten eher als Belege des Gegenteils dienen. Dieses kaum weniger.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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