Richard Wagner: Lohengrin. Romantische Oper in drei Aufzügen, Montage: rbb
Bild: © Orfeo

Romantische Oper in drei Aufzügen - Richard Wagner: Lohengrin

Bewertung:

Richard Wagners Lohengrin gehört nicht grade zu den Raritäten auf dem Musikmarkt, und doch erscheinen fast jährlich neue Einspielungen. Oder alte – so wie jetzt beim Label orfeo, wo eine legendäre Aufführung der Bayreuther Festspiele digitalisiert und restauriert vorliegt.  

Nämlich die vom 30. Juli 1967- hier ist das genaue Datum wirklich wichtig, weil diese Produktion von Wolfgang Wagner unter einem schlechten Stern stand, denn der Lohengrin selbst, Sandor Konya, wurde krank und wurde von der panischen Intendanz in der Aufführungsserie durch nicht weniger als vier Tenöre ersetzt. 
Der vom 30. Juli war - nach nur drei Stunden Vorbereitung - James King, der ins kalte Wasser sprang. Für mich kein idealer Lohengrin, weil viel zu lyrisch, doch diese lyrischen Passagen, wo er nicht gegen das Orchester ankämpfen muss, hat er wirklich betörend gesungen.

Bayreuths Krisenjahr

1967 war ein Krisenjahr in Bayreuth. Wieland Wagner, der die Festspiele mit seinem Bruder Wolfgang seit vielen Jahren leitete, war kurz vorher verstorben. Wieland war bekannt für seine schlanken, schnörkellosen Inszenierungen, die Wagner sehr entstaubten. Wolfgang Wagner begann schon im ersten Jahr seiner Alleinherrschaft 1967 einen eher rückwärtsgewandten Kurs zu fahren, also wieder zurück zu einer verklärteren, märchenhaften Wagner-Welt zu rudern, und wenn man die Fotos im Booklet durchblättert, erschauert man angesichts dieser Bilderbuch-Welt der Inszenierung. Das sieht alles ein bißchen aus wie die Historienschinken Hollywoods in den 50ern; es gibt ein riesigen Schwan im Hintergrund als Mittelpunkt einer gewaltigen gotischen Lichtrosette.  

Zu weich gezeichnet

Der verklärte Weichzeichnerton setzt sich auch musikalisch fort. Rudolf Kempe am Pult, geradezu die Inkarnation des Lyrismus in der Romantik, wird ergänzt durch ein ebenso lyrisches Ensemble ohne rechten Biss und mit Stimmen, die eher elegant und silbrig als dramatisch durchschlagend klingen.  

James King als amerikanischer Einspringer macht das Ganze endgültig zu einem anglo-amerikanischen Wagner-Abend, außer Karl Ridderbusch (König) standen ausschließlich englischsprachige Sänger in den Hauptrollen auf der Bühne: Heather Harper als Elsa – Britin, Grace Hoffmann als Ortrud - Amerikanerin, Donald Mcintyre – Neuseeländer. Das zeigt auch den großen Paradigmenwechsel in Bayreuth, die endgültige Öffnung zu internationalen Kräften – sicher war das im Allgemeinen ein Gewinn, in dieser speziellen ein Verlust.  

Die dunklen, abgründigen Seiten erscheinen mir hier zu hell und harmlos, Grace Hoffmann als Ortrud und Donald McIntyre als Telramund singen schön im fast belcantohaften Sinne, aber es fehlt das Dämonische.

Aber genau diese Qualiät des Süße, des sich selbst schwelgerisch verzehrenden Zauber-Stücks, das macht eben diese Aufnahme zu einer Kultaufnahme.  Butterweicher Lebkuchenwagner für Schlemmer. Wenn man diesen Wagner will und mag, ist man hier wirklich bei seinem optimalen Lohengrin angekommen.

Tolle Restaurierung

Bei aller Strittigkeit der Aufnahme – die CD bleibt ein interessantes Dokument, dessen Neuveröffentlichung berechtigt ist. Großen Respekt habe ich vor der Restaurieurungsarbeit. Dieser Mitschnitt des Bayerischen Rundfunks klingt technisch makellos. Erstaunlich, was man da rausholen kann; für die komplizierten akustischen Verhältnisse in Bayreuth und das Jahr 1967 ist dieser kristallklare Klang das vielleicht Märchenhafteste an dieser Aufnahme. Wagner-Fans müssen das natürlich haben.

Matthias Käther, kulturradio

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