Trio Zimmermann: Hindemith - Schoenberg © BIS
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Kammermusik - Trio Zimmermann: "Hindemith - Schoenberg"

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Die Streichtrios von Paul Hindemith und Arnold Schoenberg sind Meisterwerke der Moderne. Atonal und in gesteigerter Polyphonie fordern sie beim Zuhören aber höchste geistige Aufmerksamkeit.

Raserei

"Tonschönheit ist Nebensache" hatte Paul Hindemith Anfang der 1920er Jahre erklärt, "rasend und wild" wollte er seine Musik. Mit erlesenem Ton kultiviert das vorzügliche "Trio Zimmermann" diese rebellische Absicht des damaligen "Bürgerschrecks" und führt Hindemiths moderne Polyphonie in klanglicher und spieltechnischer Vollendung vor. Besonders der Schlusssatz des ersten Trios -  komponiert 1924 und von Hindemith damals auch mit eigenem Ensemble aufgeführt - zeigt als fünfteilige Fuge, zu welchen klanglichen Höhenflügen das herausragende Ensemble fähig ist.

Frank Peter Zimmermann © Harald Hoffmann
© Harald Hoffmann

Stradivari

Die Musiker spielen dabei durchweg auf Stradivari-Instrumenten, wie im Beiheft nicht ohne Stolz aufgelistet wird: Frank Peter Zimmermann verfügt sogar über zwei verschiedene wertvolle Geigen aus Cremona, 1712 und 1727 gebaut, Antoine Tamestit ist einer der besten europäischen Bratscher,  und spielt mit der Viola "Mahler" von 1672 die älteste erhaltene Stradivari-Bratsche, Christian Poltéra schließlich hat mit seinem "Mara"-Cello in letzter Zeit an verschiedenen Kammermusik-Produktionen mitgewirkt und dort mit seinem lebendigen Ton eine Spitzenstellung bewiesen.

Nahtod

Das Trio op. 45 von Arnold Schoenberg - der im amerikanischen Exil die Schreibweise seines Nachnamens geändert hat - ist als eine Art "Zwölfton-Programmmusik" zu verstehen und gibt als solche ein Nahtod-Erlebnis des Komponisten wieder: nach einem Herzinfarkt im August 1946 konnte er nur mit einer Adrenalin-Injektion wieder in das Leben zurückgeholt werden.

Antoine Tamestit; Foto: Gregor Baron
© Karo Krämer | Bild: Gregor Baron

Herausforderung

In der mit höchster Einfühlung vorgetragenen Musik lassen die Interpreten Schmerz, Beklemmung und Todesangst hörbar werden, obwohl das Werk, wie Schoenberg einst gegenüber Thomas Mann angemerkt hat, "äußerst schwierig, ja fast unmöglich" zu spielen sei. Die vorliegende neue Aufnahme mit dem "Trio Zimmermann" ist deshalb umso höher einzustufen, setzt allerdings bei Hörerinnen und Hörern die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit komplexen atonalen Klangwelten voraus.

Hans Ackermann, kulturradio

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