Johann Sebastian Bach: Clavier-Übung Teil III; Montage: rbb
Bild: J.S.Bach-Stiftung St. Gallen

Alte Musik - J.S. Bach: Clavier-Übung, Teil III | "Orgelmesse"

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Der 31. Oktober, der 500. Jahrestag von Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg, wird erstmals in der gesamten Bundesrepublik Feiertag sein. Dazu passend ist diese neue CD mit Musik von Johann Sebastian Bach, dem musikalischen Sachverwalter des Reformators.

Der "Dritte Teil der Clavier-Übung" enthält ja die "Orgelmesse", eine Sammlung von Orgelkompositionen für den evangelischen Gottesdienst, die Bach in der Tradition französischer Kollegen wie François Couperin oder Louis Marchand zusammengestellt hat. Die waren allerdings katholisch. Bach hat also quasi ein lutherisches Pendant zu den französischen Orgelmessen geschaffen, die auf gregorianischen Chorälen basieren. Und er hat dieses Werk im Selbstverlag herausgebracht und drucken lassen – zum 200. Jahrestag der Einführung der Reformation in Leipzig, im Jahr 1739.

Großartige Fingerfertigkeit und exzellentes Pedalspiel

Johannes Lang, im Hauptberuf Kantor an der Friedenskirche im Park Sanssouci in Potsdam, ist einer der begabtesten Organisten der jüngeren Generation – mit großartiger Fingerfertigkeit und exzellentem Pedalspiel. Aber dazu kommt – das ist das Spannende dieser Einspielung – ein Vokalquartett, vier junge Sängerinnen und Sänger aus der Schweiz. Denn die Lieder und Gesänge Martin Luthers, die den Orgelstücken zu Grunde liegen, wurden mit aufgenommen. Das ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass selbst viele Bach-Freunde diese geistlichen Lieder nicht mehr oder nur zum Teil kennen.

So erfüllt diese CD auch einen pädagogischen Zweck, allerdings macht Pädagogik selten so viel Freude beim Hören! Sie ist das neueste Produkt der "Johann Sebastian Bach Stiftung in St. Gallen", einer privaten Stiftung unter Leitung des Organisten Rudolf Lutz, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Œuvre Bachs weltweit zu verbreiten. Sie ist dabei, alle seine Vokalkompositionen in Konzerten aufzuführen, 25 Jahre sind dafür insgesamt veranschlagt.

Einen Teil hat man bereits eingespielt, da steckt viel privates Mäzenatengeld dahinter. Und die bisher erschienenen CDs, vor allem von Kantaten Bachs, sind qualitativ alle sehr gut. Man arbeitet mit hervorragenden Interpreten zusammen, die aber teilweise eben noch nicht so bekannt sind, und deswegen vielleicht auch noch nicht ganz so hohe Gagen verlangen.

St. Laurentius, Rheinsberg; © Oliver Ziebe
Johannes Lang beim Brandenburger Orgelmonat von kulturradio; © Oliver Ziebe

Ein Händchen für Verzierungen

Johannes Lang hat sich jedoch bereits einen Namen gemacht – und zwar nicht erst seitdem er in Potsdam ist. Johannes Lang hat schon mit knapp zehn Jahren zum ersten Mal den Bundeswettbewerb Jugend im Fach Orgel gewonnen. Insgesamt hat er drei Mal die Höchstpunktzahl erreicht, was außer ihm bisher noch kein Organist geschafft hat. Dafür wurde er mit einem Preis geehrt, den man extra für ihn erfunden hat, den "Exzellenzpreis" von Jugend musiziert.

Vor drei Jahren hat Johannes Lang dann auch den renommierten Leipziger Bach-Wettbewerb an der Orgel gewonnen, ist also in punkto Bach mit den höheren Weihen geadelt worden. Und diesem Ruf wird er absolut gerecht, spielt unheimlich farbenreich, facettenreich und lebendig, es kommt bei ihm wirklich nie Langeweile auf. Die vielen Sätze Bachs über Lutherlieder und -Gesänge gestaltet er unglaublich farbig – kein Stück klingt wie das andere, ein enormer Einfallsreichtum in Sachen Registrierung. Dazu kommt sein gutes Händchen für Verzierungen, die ja nicht im Notentext stehen. Mit diesem Stilmittel klug umzugehen, das ist längst nicht bei jedem Organisten, der Bach spielt, selbstverständlich.

Für die Aufnahme gewählt hat Lang ein modernes Instrument, erbaut 1990 von der Schweizer Firma Metzler, zu finden in der katholischen Kirche des Dorfes Gams im Kanton St. Gallen – klanglich im neobarocken Stil gestaltet, und zwar in Anlehnung an die Orgeln, die Bach in Thüringen in seiner ersten Berufsphase gespielt hat.

Diese Aufnahme zeigt einmal mehr, was Heinrich Heine pointiert vermerkte: "Gäbe es in der protestantischen Kirche keine Orgel, so wäre sie gar keine Religion."

Claus Fischer, kulturradio

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