Debussy: La mer/Ariettes oubliées; Montage: rbb
Bild: Linn Records

CD-Kritik - Claude Debussy: "La mer & Ariettes oubliées"

Bewertung:

Bei aller feinen Koloristik mag das Problem der schön einheitlichen CD darin bestehen, dass sie so schön ist, dass man geradezu einschlafen möchte dabei.

Auf seiner ersten CD gemeinsam mit seinem neuen Orchester, dem Berliner DSO, widmet sich Robin Ticciati ausschließlich Werken, die gern dem Impressionismus zugeordnet werden – auch wenn Claude Debussy, der hier mit "La mer" und den "Ariettes oubliées" vertreten ist, mit diesem Etikett fremdelte. Die Auswahl ist geschickt, denn einerseits kann Ticciati frühzeitig eine aussagekräftige Visitenkarte abgeben. Um andererseits an Fähigkeiten klanglicher Feinzeichnung anzuknüpfen, die das DSO früher schon erworben hatte. Die Aufnahmen entstanden noch vor dem eigentlichen Antrittskonzert Ticciatis in Berlin.

Schöner Zugewinn

Splendid glitzernde Farbfluten von deliziöser Feinheit, sogar eine ganze Sprinkleranlage klanglicher Differenzierung nimmt bei dieser CD für sich ein. Erstaunlich auch, wie rasch Ticciati einen wärmenden Golfstrom innerhalb des – sonst gern zur Kühle neigenden – Orchesterklangs in Gang gesetzt hat. Das zeigt britische Herkunft. Und stellt jetzt schon einen schönen Zugewinn dar.

Alle Werke zeichnet bei Ticciati dieselbe Rundheit, anheimelnde Strahlung und klangliche Geborgenheit aus. Eigentlich so wie bei allen Interpretationen, die ich von Ticciati kenne. Man kann das auch negativ bewerten: Der Hang zu unmartialischer Besonnenheit geht allzu undialektisch, allzu defensiv und um Ausgleich bemüht mit den dramatischen Konflikten um. Man kann es aber auch positiv sehen: als Primat einer Klang-Natürlichkeit, die in Wirklichkeit schwer herzustellen ist.

Großartige Leistung – trotz unsympathischem Personenkult

Ob es nötig gewesen wäre, mit Magdalena Kožena (bei den "Ariettes oubliées") die Ehefrau von Ticciatis Vorbild und Lehrer, Simon Rattle, zu verpflichten, weiß ich nicht. Bei aller feinen Koloristik mag das Problem der schön einheitlichen CD darin bestehen, dass sie so schön ist, dass man geradezu einschlafen möchte dabei. Zugleich darf eingeräumt werden: Auch eine sanft verschlafene CD kann eine gute CD sein. Das ist hier der Fall.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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