Cleopatra; Montage: rbb
Bild: Sony Classical

Barock-Arien - Cleopatra

Bewertung:

Die junge Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann hat letztes Jahr großes Aufsehen mit ihrem Mozart-Debütalbum erregt. Nun ist ihre zweite CD auf dem Markt, mit dem vielversprechenden Titel "Cleopatra".

Regula Mühlemann muss sich vor der Konkurrenz einer Julia Lezhneva oder Mojca Erdmann nicht fürchten. Sie verfügt über einen grazilen, äußerst femininen Koloratursopran von fast makelloser Schönheit. Ihre Technik ist, anders als die der Lezhneva, nicht geheimnisumwittert – im Gegenteil, sie ist fast ein Schulbeispiel des Belcanto-Gesangs im Wortsinne, kristallklar, sauber, silbriges Timbre.

Manchmal gibt’s (wie etwa in den Mattheson-Arien) winzige Wackler im Ansatz. Aber die Stimme wird dann aus diesem Ansatz so wunderbar geöffnet, der Atem so souverän weitergeführt, das klar ist: dahinter steckt eine sehr fundierte, um nicht zu sagen großartige Stimmausbildung. Die Hoffnungen, die durchs Mozart-Album geweckt wurden, sind hier mehr als nur eingelöst worden.

Eine Cleo zum Kuscheln

Einen winzigen Nachteil allerdings bietet dies Album gegenüber dem ersten – Regula Mühlemanns Mozart-Partien waren fast ausnahmslos mädchenhafte Figuren, die der Anmutung der Sängerin perfekt entsprachen. Cleopatra, hier in zahllosen Facetten der Barockepoche präsent, hat allerdings auch herrische, forsche Töne, die der Sängerin nicht ganz so überzeugend gelingen. Das hier ist eher eine Cleo zum Kuscheln. Aber warum nicht – wer will hier streng richten, bei einer so hoffnungsvollen Sopranistin.

Eigenwillige Auswahl, tolles Booklet

Die Auswahl der Stücke ist eigenwillig im positiven Sinne. Man hat hier außer neben zwei wirklich wichtigen Repräsentationswerken, nämlich der berühmten Händel-Oper Julius Cäsar und Grauns Eröffnungswerk für die Oper Unter den Linden eher Nebenwerke ausgesucht, die musikhistorisch keine allzu große Rolle spielen (etwa zwei recht kurze kantatenhafte Miniopern von Hasse und Alessandro Scarlatti).

Aber das macht ja heutzutage den Reiz solcher Alben aus: unbekannte, aber faszinierende Winkel der Musikgeschichte auszuleuchten. Und man findet dort tatsächlich oft erstaunlich wirkungsvolle Musik. Wenn auch viele Stücke sehr verhangen sind und das Album insgesamt eine recht depressive Cleopatra zeigt, so sind doch alle Stücke klug ausgewählt, gerade in Hinsicht auf das, was Regula Mühlemann kann und zu bieten hat.

Hervorgehoben sei an dieser Stelle das schöne, sinnliche Booklet, das nicht nur durch wunderbare Fotos besticht, sondern – eine Seltenheit heutzutage – durch einen Einführungstext, der nicht im Fachchinesisch versinkt und sich an alle Hörer gleichermaßen richtet (In diesem Fall stammt er von Oliver Geisler). Wenn Sony noch eine Kurzbiografie der Sängerin beigefügt hätte, könnte man mit der CD restlos glücklich sein.

Matthias Käther, kulturradio

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