Edward Elgar: The Dream Of Gerontius; Montage: rbb
Bild: DECCA

Oratorium in zwei Teilen - Edward Elgar: "The Dream Of Gerontius"

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Die Staatsoper zieht zurück ins eigene Haus. Damit steht natürlich auch das Ensemble des Hauses im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Vor kurzem hat es ein gigantisches CD-Projekt herausgebracht.

Die Berliner Staatskapelle und der Staatsopernchor Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim haben den "Traum des Gerontius" eingespielt, ein großes Oratorium von Edward Elgar. Für die Briten war und ist das ein zentrales Werk. Diese Nation ist ja seit dem Erfolg der Händelschen Oratorien verliebt in diese Gattung, und der verzückte Traum des Gerontius vom Elysium war überraschenderweise das erfolgreichste englische Oratorium nach dem Messias.

Enorme Ansprüche an alle Beteiligten

Es ist die Sinfonie der Tausend für die Briten, es braucht also neben den Solisten ein großes rauschhaftes Orchester und gewaltige Chormassen. Hier wird der Chor der Staatsoper noch verstärkt durch den RIAS-Kammerchor, das Werk stellt enorme Ansprüche an alle Beteiligten.

Dies hier ist eine wichtige Neuaufnahme, weil sie das Werk auf den Kontinent zurückholt – nach Svetlanow 1983 und Edo de Waaart 2013 ist Barenboim erst der dritte nicht-englische Dirigent, der das Werk aufgenommen hat. Und vor allem ist dies die erste Aufnahme mit deutschen Chören. Das ist gut, weil das die enge freundschaftliche deutsch-englische kulturelle Verbindung, die dieses Werk symbolisiert, neu betont. Denn erst die Protektion zweier deutscher Dirigenten, Hans Richter und Julius Buths, sicherte dem Werk den Erfolg. Und erst die Begeisterung des deutschen Publikums machte schließlich England aufmerksam auf das zunächst unterschätzte Werk, das bei der britischen Premiere nur lauwarm aufgenommen wurde.

Insofern ist das eine sehr schöne Ergänzung der Elgar-Reihe bei DECCA, die Barenboim erfreulich nachdrücklich vorantreibt.

Großartige Leistung – trotz unsympathischem Personenkult

Ich mache keinen Hehl daraus, dass Daniel Barenboim nicht ganz oben auf der Liste meiner Lieblings-Dirigenten steht. Er ist zwar ein großer Musiker, aber der Personenkult um ihn ist peinlich. Übertrieben? Man schaue sich das Booklet an. Vorne drauf: nicht Elgar, sondern Barenboim. Hinten drauf – nicht Elgar, sondern Barenboim. Im Booklet – zwei Bilder von Barenboim. Wen dirigiert er eigentlich noch mal? Edward Elgar wird nicht ein Mal abgebildet.

Sir Edward Elgar (1857-1934), ca. 1906; © imago/Leemage
Edward Elgar (1857-1934); © imago/Leemage | Bild: imago/Leemage

Trotz dieser geradezu grotesken Beweihräucherung, die vielleicht ja auch dem Label geschuldet ist, nötigt Daniel Barenboim mir in diesem Fall echte Bewunderung ab, weil er als Wagner-Dirigent eben nicht in die Falle tappt, hier zu wagnern. Das ist eine süffisante Spätromantik, die ihre Wurzeln eher in den späten saftig-süßen Oratorien von Gounod oder dem Requiem von Verdi hat. Trotz aller Schwelgerei in großen Klangdimensionen bleibt doch alles sauber, durchhörbar, transzendent – das ist für mich eine der besten Leistungen, die Barenboim als Dirigent in den letzten Jahren abgeliefert hat.

Die drei Solisten haben es schwer – eleganter Lyrismus wird verlangt, überzeugende Ekstase, auch leise Töne, und doch muss die Stimme wie ein Florett das Orchestergewoge durchstechen, klar präsent bleiben. Alle drei liefern Bestes im Sinne dieses Diktums.

Matthias Käther, kulturradio

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