Franz Schubert: Die schöne Müllerin, Montage: rbb, © Sony
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CD-Kritik - Franz Schubert: Die schöne Müllerin

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Zum zweiten Mal, nach fünfzehn Jahren, beschäftigt sich der beste Lied-Bariton der Welt, Christian Gerhaher, mit Schuberts "Die schöne Müllerin". Unterscheiden tut sich die Aufnahme, indem Gerhaher auch die fünf Lieder des Zyklus, die Schubert nicht vertont, in die Aufnahme einbezogen hat. Er liest sie.

Im Booklet verweist er darauf, Schubert habe die ironischeren, auch zwielichtigeren Texte ausgelassen, weil sie seinem – offenbar unironischen – Naturell nicht entgegen kamen. Die Ergänzung ist lehrreich, wenn auch bei mehrmaligen Hören vielleicht entbehrlich, da Gerhaher kein professioneller Sprecher oder Schauspieler ist.

Heller Bariton, grumpeliger Pianist

Zu Beginn fällt auf, wie Gerhaher seinen Bariton aufhellt, lichtet und leichter macht, um der geforderten Naitivät der Lieder durch etwas anderes entsprechen zu können; worauf sein Pianist, der formidable Gerold Huber, umso grumpeliger, erdender ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Die Künstler verfahren in dieser Weise, um für die Unschuld und Direktheit, die man nicht erzwingen kann, eine Art Alternative anbieten zu können. Das gelingt auch erstaunlich gut, und markiert die Differenz zum Vorgänger-Zyklus von 2003, bei dem Gerhaher markiger, markanter zu Werke ging.

Eine köstliche CD

Dass die Stimme vollendet intakt ist, dass nichts forciert, nichts gefakt oder geflunkert ist, ebenso die lupenreine Textverständlichkeit braucht bei diesem Künstler nicht groß betont zu werden. Durch ‚Verschlichtung’ und minimale Ernüchterung bannt Gerhaher in staunenswerter Weise in früher drohende Gefahr, vor lauter Natürlichkeitsstreben – in Manier zu fallen.

Wenn man etwas bemängeln wollte an dieser köstlichen CD, so wäre es etwas, das viele heutige Schubert-Interpretationen von Rang kennzeichnet. Sie ist so sehr ‚auf Kante gearbeitet’, wirkt so ausgetüftelt und ultimativ, dass alles musikantisch Vorläufige, Improvisierte, auch Spontane dabei kunstvoll unter den edel gemaserten Tisch fällt. Keine Frage indes, dass man auch diesen Müllerin-Zyklus leider doch noch braucht.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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