Leonidas Kavakos, Emanuel Ax und Yo-Yo Ma; © Shane McCauley / Sony Classical
Bild: Sony Classical

Kammermusik - Johannes Brahms: The Piano Trios

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Wenn drei Weltstars gemeinsam auftreten, dann kann das Ergebnis großartig sein – oder auch genau das Gegenteil.

Die drei Klaviertrios von Johannes Brahms – absolute Klassiker des Kammermusikrepertoires – mit drei "Alphatieren", dem Geiger Leonidas Kavakos, dem Cellisten Yo-Yo Ma und dem Pianisten Emanuel Ax, die zu den besten Solisten ihres jeweiligen Fachs zählen. Diese Produktion macht neugierig, gibt es doch unzählige Einspielungen der drei Brahms-Trios. Auf diesem Feld Aufmerksamkeit zu erregen, ist also kein leichtes Unterfangen.

Wunderbar gespannte Melodiebögen

Aber schon beim ersten Hineinhören ist man sofort ergriffen! Tatsächlich spielt sich keiner in den Vordergrund – alle drei musizieren wirklich absolut auf Augenhöhe, spielen sich die Bälle zu. Es ist wie ein intensives, tiefgründiges Gespräch unter drei guten Freunden. Manchmal ergeben sich wunderbar melodische Zweierkombinationen zwischen Violine und Cello oder zwischen Cello und Klavier.

Die melodischen Bögen werden wunderbar gemeinsam gespannt, da ist eine frappierende klangliche Verwandtschaft da. Als ob die drei Herren tatsächlich seit 20 Jahren nichts anderes machen, als gemeinsam Kammermusik zu spielen. Dabei nahm dieses bemerkenswerte Projekt erst vor gut zwei Jahren seinen Anfang, beim renommierten Sommerfestival im amerikanischen Tanglewood. Eigentlich sollte es einmalige Aktion sein, doch die Begeisterung war so groß, dass man sich zu einer ausgedehnten Konzerttournee und eben dieser CD-Aufnahme entschlossen hat.

Gereizt hat sie an Brahms die Balance zwischen geforderter Virtuosität und der wunderbaren Melodienseligkeit, von der der Komponist selbst bisweilen überrascht war. So schrieb er an seinen Verleger Simrock über sein zweites Klaviertrio: "Ich sage Ihnen, ein so schönes haben Sie noch nicht von mir, haben Sie vielleicht in den letzten 10 Jahren nicht verlegt!"

Leonidas Kavakos, Emanuel Ax und Yo-Yo Ma; © Shane McCauley / Sony Classical
Leonidas Kavakos, Emanuel Ax und Yo-Yo Ma; © Shane McCauley/Sony Classical

Die Sonne geht auf

Die faszinierendsten Momente sind die ganz intimen. Sowohl Leonidas Kavakos als auch Yo-Yo Ma spielen mit sehr dosierten Vibrato. Es gibt sogar Passagen, in denen sie es wirklich nur ganz spärlich einsetzen, was zum Beispiel in den bekannten und weit älteren Aufnahmen mit dem Beaux Arts Trio nicht der Fall ist. Aber gerade diese Momente, in denen das Vibrato ganz spärlich kommt, die lassen im wahrsten Wortsinn die Sonne aufgehen.

Da stockt einem wirklich der Atem. Und dann strahlt man unweigerlich über das ganze Gesicht. Das macht süchtig!

Claus Fischer, kulturradio

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