Orlando Gibbons © Ricecar
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Alte Musik - Orlando Gibbons: "Fancies for the Viols"

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Das perfekte Consort: Das Ensemble L’Achéron spielt Werke von Orlando Gibbons auf sechs Kopien englischer Gamben des 17. Jahrhunderts

Das Musizieren im Gambenconsort gehörte in England an der Schwelle vom 16. zum 17. Jahrhundert zum guten Ton. Eine Menge hervorragender Komponisten, Gambenbauer und Interpreten (nicht selten in Personalunion) sorgten mehrere Jahrzehnte lang für ein wahrhaft goldenes Zeitalter der Musik für Gambenensemble.

Consortmusik von Orlando Gibbons

Zu den bedeutendsten Vertretern der englischen Gambenschule gehört Orlando Gibbons. Er brachte es zu einer beachtlichen Häufung bedeutender musikalischer Ämter: 1604 wurde er Organist der Chapel Royal in London, 1619 Hofvirginalist und 1623 – kurz vor seinem Tod – noch Organist der Westminster Abbey. In diesen unterschiedlichen Funktionen ging er einer vielseitigen Kompositionstätigkeit nach, von ihm sind feierliche kirchenmusikalische Werke ebenso überliefert wie leidenschaftliche Madrigale und anspruchsvolle Instrumentalmusik. Überragt wird sein Schaffen aber durch die 42 großartigen Werke für Gambenconsort in unterschiedlichster Besetzung. In genialer Weise beherrscht Gibbons die kontrapunktische Raffinessen, aber auch das dramaturgisch kluge Dosieren von Dissonanzen und deren Auflösungen.

L’Achèron auf neuen Gamben mit höchster Spielkultur

Das Ensemble L’Achéron, gegründet 2009 von dem Gambisten François Joubert-Caillet, vereint in seinen Reihen junge, hervorragend ausgebildete Musiker. Obgleich sie in unterschiedlichen Besetzungen von einer Continuogruppe bis hin zum Barockorchester musizieren, ist ihre Kernbesetzung ein Gambenconsort. Mehrere Jahre haben diese sechs Gambisten am Klang eines idealen Consorts getüftelt und dabei mit Organologen und Instrumentenbauern gemeinsame Recherchen unternommen.

Die neueste L’Achéron-CD mit 18 Consortwerken von Orlando Gibbons wurde nun erstmals auf einem Satz von Gamben eingespielt, die der englische Gambenbauer Arnauld Giral nach diesen Forschungen angefertigt hat. Das Klangergebnis ist umwerfend: Selten zuvor hat man ein Consort in solch perfekter Homogenität und Genauigkeit gehört. In den fünf- und sechsstimmigen Fantasien erinnert der Klang immer wieder an jenen einer rein gestimmten Orgel. Perfekte Spielkultur trifft auf höchste Instrumentenbaukunst und geniale Kompositionen. Man möchte immer weiterhören.

Bernhard Schrammek, kulturradio

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