Paul Badura-Skoda spielt Schubert © RCA
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Gesang - Paul Badura-Skoda spielt Schubert

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Heute vor 90 Jahren wurde der Pianist Paul Badura-Skoda geboren. In Deutschland durchaus wohlbekannt, hat er sich trotzdem bei uns angeblich nie so richtig durchsetzen können. Warum nicht?

Die Wiederentdeckung des Jahres

Zum heutigen 90. Geburtstag von Paul Badura-Skoda haben die großen Labels auf einen Schlag alles herausgebracht, was bei ihnen in Bezug auf diesen Pianisten jahrzehntelang in den Archiven schlummerte. Schön und massiv etwa die 20 CD-Box der Deutschen Grammophon (auch mit Klavierkonzerten unter Leitung von Hermann Scherchen, Felix Prohaska u.a.).

Perlend und prickelnd seine Mozart-Sonaten Set (5 CDs, Eurodisc). Die Krone aber gebührt fraglos der 12 CD-Box bei RCA, welche sämtliche Schubert-Sonaten enthält (20 Sonaten an der Zahl, fünf davon sogar doppelt). Die Aufnahmen aus den Jahren von 1967 bis 1971 stellen für mich die Überraschung und Wiederentdeckung des Jahres dar.

"Frei von der Leber weg"

Badura-Skoda selbst hebt im Booklet-Text hervor, Schuberts Sonaten seien nicht "gebaut" wie diejenigen Beethovens, sondern "gewachsen". Diesem organischen Zug verleiht er nun aber einen unerwartet unkomplizierten, ja naturwüchsigen Ausdruck ohne jede Überfeinerung oder gedankliche Überlastung (worunter heutige Schubert-Deutungen oft leiden). Sein Spiel, bestechend zart und schön, behält immer eine charakteristische Unebenheit, eine elementare, zuweilen ruppige Eigengesetzlichkeit bei.

Man mag sagen, dass er alle Sonaten wie Lieder behandelt –diese aber singt er bemerkenswert "frei von der Leber weg". Gerade dadurch, dass man hier stets die lokale Nähe des Wieners Praters zu hören glaubt, stößt er in hintergründigere Dimensionen vor; und bleibt gerade nicht im Einfachen hängen.

Großartig

Darin zeigt sich Badura-Skoda als der wienerischste und beste Schubert-Spieler der Nachkriegszeit – noch vor Alfred Brendel und Wilhelm Kempff; übertroffen höchstens von dem (in sich vertrackteren) Svjatoslav Richter. Gewiss liegt die Frische der Aufnahmen auch daran, dass Badura-Skoda als einer der ersten die Handschriften noch einmal konsultierte. (Für die Wiederveröffentlichung hat er sogar hier und da einzelne Töne korrigiert.) Er war auch unter den ersten, die sich für Fortepianos interessierten. In seiner Wohnung in der Wiener Josefstadt hat er eine Unzahl davon gesammelt (sämtliche Schubert-Sonaten hat er später auch noch einmal auf historischen Instrumenten eingespielt). Sein Schubert ist sein Vermächtnis. Und ein wie großartiges!

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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