Peter Schreier: Lied-Edition © Sony / Eurodisc
Bild: Sony / Eurodisc

Gesang - Peter Schreier: Lied-Edition

Bewertung:

In  meinen späten Teenagertagen in der DDR, als ich die Klassik für mich entdeckte, war so viel Peter Schreier zu hören, dass er mir viel zu unexotisch vorkam, um ihn wirklich zu schätzen. Was das Lied betrifft, fand  ich Lizenzaufnahmen solcher Liedsänger wie Dietrich Fischer-Dieskau und Herman Prey aufregender.

Und ich muss jetzt, bei später intensiver Wiederbegegnung mit diesen Aufnahmen seiner großen Zeit, der 70er und 80er Jahre, bekennen: Ich habe wirklich was verpasst.

Überragende Interpretationen

Schreier ist nicht nur ein exzellenter Liedsänger, sogar ein überragender. Seine frische, aber immer prononcierte, nuancierte Art, das Genre zu präsentieren, lässt Schweres federleicht erscheinen, Artifizielles frei strömen. Seine Vortragskunst hat bei aller Klugheit immer etwas Bescheidenes. Man spürt – der Künstler tritt zurück und lässt das Lied als Werk strahlen. Vielleicht ist es diese Noblesse, die einem Hörer in jungen Jahren als blass erschien und sich nun, beim erfahreneren Liebhaber, als ganz große Kunst der kleinen Form entpuppt. Schreier sang, wie Polgar oder Altenberg schrieben.

Schreier ist, anders als ein anderer Meister des schwerelosen Liedgesangs, Hermann Prey, ein Kopfmensch. War die allürenlose scheinbare Einfachheit des Singens bei Prey geniale Intuition, ist sie bei Schreier Ergebnis äußerster Disziplin und langen Nachdenkens. Ich kann manche Lieder eigentlich nur von ihm und Prey ertragen, weil sie in sich selbst ruhen, nicht aufgeplustert werden, sondern in ihrer Schlichtheit effektvoller wirken als bei jedem Versuch, mehr draus zu machen, als in ihnen steckt. So finde ich die Art, wie Schreier Mozarts berühmtes "Komm lieber Mai und mache" singt, unübertroffen, ich habe es nie wieder so schön gehört, simpel und klug zugleich.

Tolle Musik in lausiger Box

In der Box stecken fünf CDs, die fünf Komponisten gewidmet sind: Schumann, Beethoven, Schubert, Wolf und Mozart, allesamt sehr gute bis perfekte Interpretationen. Das Booklet ist sehr dürftig, man erfährt gar nichts außer den Titeln, nicht mal die genauen Aufnahmeorte- und Jahre.

Die Box selbst ist eine vertrackte Klemmkonstruktion, der Alptraum jedes Sammlers, und ich vermute mal, die Schumannplatte werde ich am seltensten hören, nicht weil sie mir am wenigsten gefällt, sondern weil sie so schrecklich verkantet innen versteckt ist, dass man sie kaum aus der Schachtel bekommt. Die andern CDs passen nicht richtig in die Halterungen und fallen dauernd heraus.

Gerechtigkeitshalber muss man aber einräumen, dass diese Edition sensationell preiswert ist, fünf CDs zum Preis von einer. Da kann man über solche Schönheitsfehler nicht leicht, aber mit einem Seufzer hinwegsehen.

Matthias Käther, kulturradio

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