Steven Isserlis: Das Cello in Kriegszeiten, Montage: rbb
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Cello - Steven Isserlis: "Das Cello in Kriegszeiten"

Der britische Cellist Steven Isserlis spielt Werke, die in den Jahren des Ersten Weltkrieges entstanden sind. Zum Ende der CD kommt ein sogenanntes "Trench-Cello" zum Einsatz –  ein zerlegbares Instrument, das im Schützengraben gespielt werden konnte.

Zwiesprache

Die Komponisten dieser CD lassen den Schrecken des Krieges in ihren Werken nur indirekt hörbar werden. In Claude Debussys Sonate für Cello und Klavier von 1915 klingen im zweiten Satz moderne, durchaus verstörende Töne an, knappe und gedämpfte Klangbotschaften, so als würde hier eine geheimnisvolle Zwiesprache wiedergegeben – "Was geht da vor ? Was kann man tun?" – könnten die Fragen lauten, die der Komponist dann in einem energischen Schlusssatz beantwortet. Ob diese Musik tatsächlich als direkte Ermunterung für die französischen Truppen gemeint war, diese viel diskutierte Frage lässt sich nur hypothetisch beantworten.

Trauer

Im balancierten Zusammenspiel mit der kanadischen Pianistin Conny Shih gelingt dem 1958 in London geborenen Cellisten eine hervorragende Interpretation dieser "Musik aus Kriegszeiten". Besonders anrührend sind die Klänge im langsamen zweiten Satz der "Sonate Nr. 1" von Gabriel Fauré. In diesem Werk aus dem Kriegsjahr 1917 lässt der französische Komponist, der als Soldat noch den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 erlebt hat, mit deutlichen Anklängen an sein berühmtes "Requiem" tiefe Trauer hörbar werden.

Trench

Die Besonderheit dieses Albums offenbart sich bei den letzten vier Stücken – Isserlis vertauscht hier sein erlesenes Stradivari-Cello mit einem sogenannten "Trench-Cello" – "trench" ist das englische Wort für "Schützengraben".

Ursprünglich als Reise-Cellos konstruiert und "in vier Minuten" zusammengebaut wurden solche tragbaren Instrumente – wie auf dem CD-Cover zu sehen – tatsächlich von französischen und englischen Soldaten an der Front gespielt.

Hymnisch

Steven Isserlis präsentiert diese instrumentengeschichtliche Kuriosität in einem Repertoire, das sich aus dem patriotischen Kanon der Briten speist: gespielt wird unter anderem "Jerusalem" von Hubert Parry und neben dieser inoffiziellen Hymne dann zum Abschluss der CD auch die Melodie von "Good save the queen". Der vergleichsweise schüttere Klang des Trench-Cellos verhindert dabei jeden nationalistischen Bombast, der den guten Absichten dieses engagierten britischen Cellisten sicher auch entgegenstehen würde.

Hans Ackermann, kulturradio

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