Berliner Philharmoniker: The John Adams Edition
Bild: Berlin Phil Media

CD-Kritik - Berliner Philharmoniker: The John Adams Edition

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Der amerikanische Komponist John Adams war in der Saison 2016/17 als "Composer in Residence" Gast der Berliner Philharmoniker. Die kunstvoll gestaltete Edition präsentiert die Früchte dieser ergiebigen Zusammenarbeit.

Eine Edition zum Hören und Schauen - auf insgesamt vier CDs findet sich die Musik von John Adams, wie sie in der Saison 2016/17 in einer Reihe von Konzerten in der Berliner Philharmonie unter der Leitung verschiedener Dirigenten zu hören war. Auf zwei zusätzlichen Blu-ray-Discs können diese Konzertabende am Bildschirm noch einmal authentisch erlebt werden.

Harmonielehre

Etwa der Eröffnungsabend mit "Harmonielehre", ein Klassiker aus dem Werk des Komponisten, der bei diesem Konzert im September 2016 selbst die Leitung der Berliner Philharmoniker übernommen hatte. Im Booklet, das vom renommierten Fotokünstler Wolfgang Tillmans gestaltet wurde, finden sich zu sämtlichen Werken - darunter die dramatische Sinfonie "Sheherazade.2", die Fanfare für Orchester "Short Ride in a Fast Machine" oder "City Noir" - ausführliche Begleittexte. Mit Blick auf das Gesamtwerk des Komponisten, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, schreibt Chefdirigent Simon Rattle dort: "Was seine Musik an Energie, Freude und Lebenshunger verströmt, überträgt sich auf Menschen jeden Alters".

Höhepunkt

Tatsächlich gibt diese gelungene Edition in Ton, Bild und Video die Vielseitigkeit dieses Komponisten wieder, der von frühen Werken der Minimal Music zu seinem späteren "Post Minimalismus" gefunden hat, ausgestattet mit stilübergreifender Neugierde und einem starkem Interesse an historischen und politischen Entwicklungen. Ein Höhepunkt der Konzerte dieser Edition: Adams Vertonung des Textes "The Wound-Dresser" von Walt Whitman, der von den Schrecken des amerikanischen Bürgerkriegs 1861 erzählt. Im Konzert im März 2017 war in der Philharmonie die kongeniale Zusammenarbeit zwischen dem Orchester, dem Bariton Georg Nigl und dem neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko zu bestaunen, im Booklet kann man den ergreifenden Text im englischen Original und in der deutschen Übersetzung nachlesen.

Hochachtung

Zwei der vier CDs sind dem Oratorium "The Gospel According To The Other Mary" gewidmet, ein modernes Vokalwerk, bei dem der Rundfunkchor Berlin einmal mehr seine vorzügliche Eignung für zeitgenössisches Repertoire beweist. Die Leitung bei diesem abendfüllenden Werk hatte Simon Rattle, der bei John Adams "eine ganz tiefe Menschlichkeit" bewahrt sieht, sowohl in dessen Musik, als auch seiner Persönlichkeit, "so offen großzügig und bescheiden, dass man ihm den berühmten Komponisten manchmal kaum abnimmt" - treffender kann wohlverdiente Hochachtung kaum formuliert werden.

Hans Ackermann, kulturradio

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