
Bewertung: ![]()
Frank Lange (Milan Peschel) ist ein Mann Anfang 40: verheiratet, zwei Kinder, gerade hat er für seine Familie ein kleines Häuschen im Berliner Speckgürtel gebaut … Normaler geht es kaum. Da erfährt er aus heiterem Himmel, dass er an einem inoperablen Gehirntumor leidet und nur noch wenige Monate zu leben hat. Wie geht man mit so einer Nachricht um? Wie kann man es verkraften, wenn man weiß, dass man den zehnten Geburtstag seines Sohnes nicht mehr erleben wird? Dass man alles, was einem im Leben wichtig war, verlieren wird?
Eine Menge Menschlichkeit
In sehr realistischen, fast schon dokumentarischen Bildern erzählt Halt auf freier Strecke die Geschichte vom langsamen Verschwinden eines Menschen: Erst sind es nur die Kopfschmerzen, dann versagen die Beine ihren Dienst, das Gedächtnis lässt nach – und am Ende wartet der Tod. Eine hartes Schicksal, und doch kein untröstliches. Denn es gibt auch eine Menge Wärme, eine Menge Menschlichkeit in diesem Film. Die Ehefrau (Steffi Kühnert), die ihren Job aufgibt, um in den letzten Stunden ganz bei ihrem Mann sein zu können. Die Schwiegermutter (Ursula Werner), die in ihrer naiv-jovialen Art mehr Trost spenden kann als alle professionellen Helfer zusammen – und natürlich die Kinder (Talisa Lemke und Mika Seidel), die ihrem Vater selbstgemalte Hinweisschilder basteln, als dieser den Weg zur Toilette nicht mehr findet.
Ehrlich, glaubhaft und spannend
Auf billiges Pathos und emotionalen Kitsch hat Regisseur Andreas Dresen zum Glück verzichtet – das macht seinen Film ehrlich, glaubhaft und auch spannend. Weil man sich mit diesem Frank Lange und seiner Familie jederzeit identifizieren kann und weil man die ganze Zeit überlegt: wie würde ich in so einer Situation reagieren? Was würden meine Freunde, meine Familie machen, um mir zu helfen?
Großes Kino ist das - mit kleinen Mitteln. Nach 90 Minuten ist man so traurig, als sei hier wirklich jemand gestorben. Und trotzdem hält Dresen auch einen Trost parat: Das Leben geht weiter – immer.
Carsten Beyer, kulturradio