B. Ojea, L. Dueñas, C. Maura, N. Sole, N. Verbeke, S. Kiberlain und F. Lucchini in Les femmes du 6ème étage; © Jean Marie Leroy

Di 01.11.2011

Film

"Nur für Personal"

Bewertung: annehmbar

Ökonomische  Ungleichgewichte innerhalb Europas gibt es nicht erst seit den Zeiten des Euro- Rettungsschirms und der Schuldenkrise. Auch in den 60er Jahren sah es nicht viel besser aus, als sich die ersten Gastarbeiter aus den armen Länder Südeuropas auf den Weg machten – auf der Suche nach einem besseren Leben im Norden. In diese Zeit zurück führt Nur für Personal von Phillipe Le Guay – eine Komödie mit ernsten, manchmal auch durchaus sozialkritischen Untertönen.
 
Armes Aschenputtel trifft reichen Prinz und bringt diesen gewaltig zum Nachdenken – so könnte man die Story dieses Films zusammenfassen: Jean- Louis Joubert (Fabrice Luchini) ist ein gutbetuchter Börsenmakler, der sich Anfang der 60er Jahre in Paris in sein spanisches Dienstmädchen Maria (Natalie Verbeke) verliebt – und das, obwohl er eine Frau und zwei halbwüchsige Söhne zu Hause sitzen hat. Das alleine wäre schon schlimm genug – aber Joubert geht noch einen Schritt weiter. Nachdem ihn seine betrogene Ehefrau (Sandrine Kiberlain) empört vor die Tür der bürgerlichen Luxuswohnung setzt, zieht er nicht einfach ins Hotel: Nein, er richtet sich lieber ein paar Treppen höher unterm Dach ein – in der Dienstbotenwohnung.

Lebensfreude unterm Dach
Jouberts Wandlung vom hüftsteifen, überkorrekten Bürohengst zum feurigen Latin Lover ist lustig anzusehen, noch spannender aber sind die spanischen Arbeiter-Frauen, mit denen er von nun an in seiner neuen Wohn-Gemeinschaft unterm Dach zusammenlebt: Neben Maria sind das die Kommunistin Carmen (Lola Duenas), die ihre Eltern im Franco-Régime verloren hat, die streng katholische Pilar (Concha Galan), die männermordende Dolores (Berta Ojea) und die fürsorgliche Concepcion (Carmen Maura).

Nur für Personal
gibt so Einblick in eine Welt, die Joubert vorher völlig versperrt war: mit all ihren Sorgen, Nöten und Herausforderungen, aber auch mit improvisierten Partys, Picknicks im Park und einer Menge praktischer Lebensfreude.
 
Wäre da nicht das kitschige, überlange Ende und die biedere Handwerklichkeit in Kameraführung und Schnitt, Nur für Personal wäre ein komödiantisches Meisterwerk. Doch auch trotz dieser Schwächen ist der Film allemal sehenswert – ganz besonders für Freunde des französischen und des spanischen Kinos.
Carsten Beyer, kulturradio

Stand vom 01.11.2011

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/film/2011/nur_fuer_personal.html

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