Eva Green und Ewan Mc Gregor in Perfect Sense; © Senator Filmverleih

Di 06.12.2011

Film

"Perfect Sense"

Bewertung: gelungen

Die Filme des schottischen Regisseurs David Mackenzie kreisen immer wieder um die extremen Seiten der Liebe, um dunkle Leidenschaften und düstere Abgründe. Berühmt wurde er mit Young Adam, einem Liebesdreieck mit Tilda Swinton, Peter Mullan und Ewan McGregor. Sein nächster Film Asylum kreiste erneut um eine gefährliche Ménage à trois und spielte in der beklemmenden Atmosphäre einer psychiatrischen Anstalt in den Fünfziger Jahren.

Science Fiction ohne SFX
In seinem neuen Film Perfect Sense arbeitet er jetzt zum zweiten Mal mit Ewan McGregor, und erneut ist es ihm gelungen, einen außergewöhnlichen Ansatz zu finden. Perfect Sense ist ein Science Fiction Film, ein Weltuntergangsszenario, allerdings ohne Monstren und Mutanten und ohne Klima- oder Naturkatastrophen. Stattdessen verlagert er die Katastrophe ins Innere der Menschen, denen durch eine mysteriöse Seuche nach und nach alle Sinne genommen werden. Es beginnt ganz klassisch, boy meets girl: Michael (Ewan Mc Gregor) ist Koch in einem Gourmet-Restaurant und Susan (Eva Green) die gegenüber lebende Wissenschaftlerin, mit dem Spezialgebiet Epidemien. Da beide von der Liebe eher desillusioniert sind, kommt ihre Affäre nur holprig in Gang, erst mit dem Ausbruch der Seuche rücken sie enger zusammen.

Das erste Anzeichen der weltumspannenden Krankheit ist, dass die Menschen anfallartig von überwältigender Traurigkeit heimgesucht werden, und danach nichts mehr riechen können. Diese bestechend simple Version eines Virus erweist sich als ausgesprochen budgetfreundlich. Der größte Spezialeffekt sind die Schauspieler, die wie in allen Filmen des Schotten in feinsten Nuancen enorme Seelentiefen ausloten. Dabei wird die Liebesgeschichte zum Seismographen der Katastrophe. Der Verlust der Sinne verunsichert die Menschen zunehmend, und treibt die Liebenden enger zusammen, um genauer zu schauen, zu fühlen, zu sehen als zuvor. Durch das Wegfallen eines Sinnes werden zunächst die anderen aufgewertet, erst mit dem Fortschreiten der Krankheit, mit dem Verlust mehrerer Sinne wird es kritisch. Die anfängliche Anpassungsfähigkeit des Menschen gerät zunehmend an ihre Grenzen.

Leise und zärtlich
Im Kontrast zu klassischen Science Fiction Filmen wird hier nicht hektisch gerannt und gekämpft. Stattdessen entfaltet sich dieses Weltuntergangsszenario ganz leise und zärtlich, kühl und poetisch. Wie die besten Beispiele des Genres lotet Perfect Sense den Kern der Condition humaine aus, die Grundlagen der menschlichen Zivilisation und die Würde des Menschen. Der Maßlosigkeit des Verlusts setzt der Film die leise Hoffnung der Liebe entgegen.
Anke Sterneborg, kulturradio

Stand vom 06.12.2011

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/film/2011/perfect_sense.html

Fenster schließen!