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Nicht nur als Schauspieler auch als Regisseur mischt sich George Clooney immer wieder in die aktuellen, politischen Debatten ein, so thematisierte Syriana, in dem er die Hauptrolle spielte, beispielsweise die Moral des Waffenhandels im Irakkrieg und sein eigener Film Good Night and Good Luck die Integrität des politischen Journalismus in der McCarthy-Zeit. Nachdem Clooney in seinen ersten drei Regiearbeiten in die Vergangenheit der 20er und fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts reiste, erzählt er jetzt zum ersten Mal eine zeitgenössische Geschichte an Originalschauplätzen. Obwohl Die Iden des März um den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf kreist, sieht Clooney seine vierte Regiearbeit nicht als politisierenden Film, der Stellung für Demokraten oder gegen Republikaner bezieht, sondern als politischen Thriller, in dem es um die generellen Sachzwänge der Politik geht, darum wie schwer es ist, den Idealismus im politischen Alltag nicht zu verlieren.
Clooney spielt einen ausgesprochen integren Politiker, der fest entschlossen ist, auf dem Weg zur Macht keine korrupten Deals und Zugeständnisse zu machen. Wie schon in Good Night and Good Luck zelebriert er sich in der Rolle des Präsidentschaftskandidaten Mike Morris keineswegs als glamourösen Star, sondern fügt sich diskret und ohne Eitelkeit in ein weitläufiges Ensemble großartiger Schauspieler, zu denen unter anderem Philipp Seymour Hoffman als Wahlkampagnenmanager, Marisa Tomei als Journalistin, Evan Rachel Wood als Praktikantin und Paul Giamatti als Wahlkampfmanager des gegnerischen Lagers gehören. Die zentrale Rolle spielt der Wahlkampfkoordinator Stephen Meyers, ein junger dynamischer, smarter Strippenzieher, der selbst von den Gegnern bewundert wird. Gespielt wird er von Ryan Gosling, der sich gerade in die oberste Liga vorarbeitet, mit einer enormen Präsenz, mit geschmeidig selbstbewusstem Auftreten, aber auch mit feinen Brechungen, einem Hauch von Traurigkeit in den tief liegenden Augen.
Sobald der Film dieses perfekt funktionierende System der Wahlkampfzentrale etabliert hat, streut er Sand ins Getriebe. Ein kleiner Fehltritt droht das ganze Gebäude in sich zusammenfallen zu lassen wie ein Kartenhaus, und plötzlich sind auch saubere, integre Männer wie Meyers und Morris gezwungen, zu schmutzigen Mitteln zu greifen.
Basierend auf dem Theaterstück Farragut North von Beau Willimon, der beim Schreiben auf seine eigenen Erfahrungen als Wahlhelfer zurückgegriffen hat, vermittelt der Film eine authentisch anmutende Wahlkampfatmosphäre, deren Hektik und Nervosität auch an Pennebakers berühmte Dokumentation The War Room über den Clinton Wahlkampf anknüpft. Gleichzeitig verbindet der Kameramann Phedon Papamichael, der unter anderem mit Clint Eastwood und Wim Wenders zusammengearbeitet hat, diesen Eindruck dokumentarischer Unmittelbarkeit mit der fließenden Eleganz seiner Kamerabewegungen, die diese nervöse Unruhe immer wieder in eine gleitende, fast tänzerische Choreografie der Ereignisse überführt. Auf ebenso faszinierende wie ernüchternde Weise kann man dabei zuschauen, wie politische Zwänge entstehen, wie auch integre Politiker korrumpiert werden, wie schwer es ist, in der Politik sauber zu bleiben.
Anke Sterneborg, kulturradio