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Die Skandinavier machen derzeit Furore, nicht nur in Europa, sondern auch in Hollywood, mit Stieg Larssons Millennium Trilogie, gerade von David Fincher neu verfilmt, mit Nicolas Winding Refns Fluchtfahrerfilm Drive und Ein riskanter Plan von Asger Leth, beide seit letztem Donnerstag in unseren Kinos. Jetzt kommt auch Dame, König As, Spion (im Original Tinker Tailor, Soldier, Spy), Tomas Alfredsons Verfilmung von John Le Carrés gleichnamigem Roman in unsere Kinos. Nach elf Nominierungen bei den nationalen britischen Filmpreisen, den BAFTAS, ist dieser nun auch noch für drei Oscars nominiert, unter anderem für Gary Oldmans kongeniale Darstellung des britischen Agenten George Smiley.
Grauer Alltag der Agenten
John Le Carrés Romane speisen sich aus seinen eigenen Erfahrungen beim britischen Geheimdienst in den Vierziger und Fünfziger Jahren, einen Ansatz, den der schwedische Regisseur Tomas Alfredson in den Stil seiner Inszenierung übernimmt. Statt eine schillernde Kinoversion der Spionage zu konstruieren, folgt er dem grauen Alltag der Agententätigkeit. An der Spitze des britischen Geheimdienstes soll es einen russischen Maulwurf geben, doch die Ermittlungen verlaufen im Sande. Monate später wird der pensionierte Agent George vom Kriegsministerium erneut auf den Fall angesetzt, mit ihm gräbt sich der Film langsam durch ein weitläufiges Netz von Verbindungen zwischen Politikern und Agenten aus England, der Sowjetunion und den USA.
Zug um Zug
Akribisch rekonstruiert Alfredson die frühen Siebziger Jahre, bis man glaubt sie atmen, riechen und spüren zu können: Eine gedämpfte Farbpalette, die stickige Luft in geschlossenen Räumen, das ganz andere, steife Körpergefühl in Tweed-Anzügen, mit Hemd, Krawatte und Aktenköfferchen, die Rauchschwaden, die in den Räumen hängen, und der Klang der altmodischen, schweren Telefone, all das vermittelt das Klima der Zeit.
Statt mit aufgeregter Dynamik, exotischen Schauplätzen und schillernden Gadgets definiert sich die Spionage hier in genauer Beobachtung, leisem Taktieren und minutiösen Schlussfolgerungen. Wenn der Leiter des Geheimdienstes Fotos der verdächtigen fünf Männer auf hölzerne Schachfiguren klebt, dann ist das eine treffende Metapher für die Art, wie dieser ganze Film Zug um Zug funktioniert.
Zurückhaltung und der Diskretion
Im Zentrum der Ereignisse spielt Gary Oldman George Smiley als unscheinbaren, fast unsichtbaren Mann, der im Hintergrund agiert, der sehr genau zuhört, sehr genau beobachtet. Die besondere Qualität von Oldmans Spiels liegt in der Zurückhaltung und der Diskretion, in der Art wie er auch seine eigenen Gefühle kontrolliert, als es beispielsweise um den Ehebruch seiner Frau geht, der auch im Zusammenhang mit der weitläufigen Intrige von Bedeutung ist.
Um Oldmans brillant minimalistisches Spiel herum bleibt viel Raum für hochkarätige Schauspieler wie Colin Firth, John Hurt, Mark Strong, Ciaran Hinds, als Teil eines, dichten atmosphärischen Gewebes. So zelebriert Dame, König, As, Spion die hohe Kunst des Understatement und stiftet zugleich jeden einzelnen Zuschauer dazu an, sich als Spion an der Suche nach dem Maulwurf zu beteiligen.
Anke Sterneborg, kulturradio