Hugo Cabret mit Asa Butterfield; Foto: © dpa-Bildfunk

Di 07.02.2012

Film

"Hugo Cabret"

Bewertung: gelungen

Genau wie der zweite große Oscarfavorit in diesem Jahr – The Artist von Michel Hazanavicius – ist auch Martin Scorseses Roman-Verfilmung Hugo Cabret eine Verbeugung vor der Stummfilmzeit: Doch während der Franzose Hazanavicius für seinen Film nach Hollywood gegangen ist, geht der Amerikaner Scorsese nach Paris und setzt einem französischen Filmpionier ein Denkmal – ein herrlicher Twist der Filmgeschichte.

Schon als kleiner Junge hat Hugo Cabret (Asa Butterfield) seinen Vater verloren: Ganz alleine lebt er auf dem Pariser Bahnhof Montparnasse und kümmert sich um die großen Bahnhofs-Uhren. Dort trifft er Georges Méliès (Ben Kingsley), einen ehemaligen Stummfilm-Regisseur, der sich nach dem Ende seiner Karriere zurückgezogen hat und als Spielzeug-Händler ein kümmerliches Dasein fristet. Die Verbindung zwischen diesen beiden ungleichen Charakteren ist ein mechanischer Mensch, eine Art Schreib-Roboter: Méliès hatte ihn einst als junger Mann konstruiert, um ihn in seinen Filmen zu verwenden und Hugo möchte ihn nun wieder zum Leben erwecken, weil er hofft, dadurch seinem verstorbenen Vater näher zu kommen.

Üppige Bilderflut
Hollywood-Altmeister Martin Scorsese hat sich mit der Verfilmung der Romanvorlage von Brian Selznick einen langgehegten Traum erfüllt – eine Hommage an einen Stummfilm-Pionier der allerersten Stunde, gedreht mit modernsten Mitteln – in 3D und mit einer Menge Special Effects. Die Darsteller verschwinden dagegen ein wenig in der üppigen Bilderflut. Das gilt sowohl für Ben Kingsley, der den Filmfreak George Mèliès spielt als auch für den jungen Engländer Asa Butterfield in der Titelrolle als Hugo Cabret. Im Gedächtnis bleiben eher die Nebenfiguren, insbesondere Sascha Baron Cohen, der als kauziger Bahnhofsvorsteher zeigt, dass er auch noch etwas anderes kann als durch geknallte Verkleidungskomödien.

Trotzdem ist Hugo Cabret unbedingt sehenswert – nicht nur wegen seiner elf (!) Oscar-Nominierungen. Der Film ist ein wundersames Konglomerat aus ganz vielen Dingen: Märchen, poetische Hommage an die Geschichte des Kinos und vor allem eine visuelle Offenbarung.
Carsten Beyer, kulturradio

Stand vom 07.02.2012

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/film/20120/hugo_cabret.html

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