Christian Ulmen in Jonas; Foto: © Delphi Filmverleih

Di 03.01.2012

Film

"Jonas – Stell Dir vor, es ist Schule und Du musst wieder hin!"

Bewertung: zwiespältig

Stellen Sie sich vor, sie müssten heute noch einmal zurück auf die Schule: Noch einmal mündliche Prüfungen in Englisch bestehen, an der Tafel eine mathematische Gleichung lösen oder im Sportunterricht eine Übung am Stufenbarren vorturnen. Kein schöner Gedanke? Der Schauspieler Christian Ulmen hat genau das gemacht. Für Jonas hat sich der 36-jährige Grimme-Preisträger auf 18 schminken lassen und sich als Schüler auf einer Brandenburger Gesamtschule angemeldet, angeblich um dort seinen Realschul-Abschluss nachzuholen.

Gewollte oder peinliche Gags
Jonas ist eine Pseudo-Dokumentation: ein Film, der sich zwar gibt wie ein Dokumentarfilm, bei dem aber wesentliche Teile gescriptet sind – und bei dem ein Schauspieler die Hauptrolle spielt, während alle anderen Personen nur sie selber sein sollen. Der britische Komiker Sasha Baron Cohen ist der Meister dieses Formats – mit Filmen wie Borat, Brüno oder Ali G. Aber Christian Ulmen und sein Regisseur Robert Wilde können ihm das Wasser nicht mal annähernd reichen.

Wer findet schon einen (vermeintlich) 18-Jährigen lustig, der auf einmal so tut, als sei er unsterblich in seine mehr als doppelt so alte Musiklehrerin verliebt? Oder einen Schüler, der seinem Direktor 5.000 Euro anbietet, damit er nicht von der Schule fliegt? Alle Gags, die Ulmen in den Film einbaut, sind entweder zu gewollt oder einfach nur peinlich.

Erstaunlich unverkrampft
Immer dann allerdings, wenn der Film schlicht den Alltag an der Paul-Dessau-Gesamtschule in Zeuthen zeigt, wenn sich Ulmen mal ein bisschen zurückhält und einfach nur ein 18-jähriger Gesamtschüler unter all den anderen ist, wird es interessant. In diesen Momenten kann man einiges darüber erfahren, wie Schule heute funktioniert: Wie Lehrer ihre Schüler motivieren, wie es hinter den verschlossenen Türen einer Lehrer-Konferenz zugeht oder auch, wie es um den sozialen Zusammenhalt in einer zehnten Klasse kurz vor den Abschluss-Zeugnissen bestellt ist.

Dabei agieren die Mitschüler von Jonas trotz der ständigen Kamera-Präsenz erstaunlich unverkrampft. Bei den Lehrern merkt man eher das Unbehagen und die Angst, sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Dabei ist diese Sorge ganz und gar unbegründet: Im Grunde zeigt Jonas ein viel positiveres Bild der Schule als das täglich in den Zeitungen vermittelte.
Carsten Beyer, kulturradio

Stand vom 03.01.2012

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.kulturradio.de/rezensionen/film/20120/jonas___stell_dir.html

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