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Längst hat Jason Reitman seinen Vater Ivan Reitman, den Regisseur unter anderem der Gespensterjägerkomödie Ghostbusters künstlerisch überflügelt. Mit drei Filmen hat er sich als einer der vielversprechendsten Nachwuchsregisseure etabliert, von der Tabaklobbyisten-Satire Thank you for Smoking bis zu der Vielfliegertragikomödie Up in the Air mit George Clooney ist jeder Film immer noch besser geworden. In seinem vierten Werk Young Adult hat er sich jetzt zum zweiten Mal mit Diablo Cody zusammengetan, der Autorin, die für ihr Drehbuch zum ersten gemeinsamen Film Juno den Oscar bekam.
Glorreiche Jugendzeit
Im Zentrum steht eine Frau Ende 30, (Charlize Theron), Mavie, die im Grunde in der Highschool-Schleife hängen geblieben ist. Einst war sie die Schönheitskönigin des kleinen Provinzkaffs Mercury in Minnesota. Die öde Langeweile der Provinz hat sie hinter sich gelassen, um in den "Mini-Apple" Minneapolis zu ziehen, wo sie sich ihr letztlich klägliches Leben mit aller Gewalt schönredet. Ihre Ehe wurde gerade geschieden, die populäre Jugendbuchserie bei der sie zum namenlosen Ghostwriterteam gehört, soll eingestellt werden. Nun ringt sie beim letzten Auftrag mit einer Schreibblockade und überhöhtem Alkoholkonsum. Als eines Tages auch noch die freudige Geburtsanzeige eines Ex-Lovers aus der Schulzeit in ihrer Mailbox aufpoppt, beschließt sie kurzerhand an den Ort ihrer glorreicheren Jugendzeit zurückzukehren und den Mann von seiner – ohne Zweifel – öden Existenz als Ehemann und Vater zu erlösen ...
Unverwüstlichkeit der Seele
Nun ist Jason Reitman bekannt dafür, dass er seinen Helden Einiges an Realitäten zumutet, die sonst in Hollywood ignoriert werden, von der skrupellosen Raucherlobby in Thank you for Smoking, über eine Teenagerschwangerschaft in Juno bis zu Arbeitslosigkeit und Massenentlassungen in Up in the Air. Doch in harschem Kontrast zur vierzehnjährigen Juno im ersten gemeinsamen Film von Reitman und Cody fehlt Mavie jeder Hauch von Realitätsnähe. Während Juno ihr selbstverschuldetes Schicksal mit entwaffnendem Pragmatismus und viel lakonischem Humor in Angriff genommen hat, verrennt sich Mavie in ihrer absurden Stalker-Phantasie und macht es dem Zuschauer mit ihrer sturen Unbelehrbarkeit und ihrer schmerzhaften Peinlichkeit ausgesprochen schwer, sie zu mögen. Während man der Autorin und dem Regisseur regelrechten Verrat an ihrer Heldin vorwerfen könnte, muss man Charlize Theron Respekt zollen, für den rückhaltlosen Mut, mit dem sie sich in diese undankbare Rolle wirft.
Einziger Lichtblick in diesem enttäuschenden Film ist der von dem Komiker Patton Oswalt mit sehr viel Herz, Seele und Schlagfertigkeit gespielte Pub-Buddy von Mavie. In dem einst wegen vermeintlicher Homosexualität von seinen Klassenkameraden zum Krüppel geprügelten Kindmann schimmert jene Unverwüstlichkeit der Seele auf, die den Helden von Jason Reitman bisher zu eigen war, und ein subversiver Humor, mit dem man die schlimmsten Verletzungen allemal kaschieren kann.
Anke Sterneborg, kulturradio