"Ich, Daniel Blake" © 2016 PROKINO Filmverleih GmbH

Drama - "Ich, Daniel Blake"

Bewertung:

Der neue Film von Englands Regie-Altmeister Ken Loach über einen Mann aus der Arbeiterklasse, der versucht, den Widrigkeiten der neoliberalen Welt die Stirn zu bieten.

Daniel Blake (Dave Johns) ist Ende 50 und Zimmermann auf dem Bau in der nordenglischen Stadt Newcastle. Ein bisschen knorrig, ein bisschen spleenig, aber mit dem Herz auf dem rechten Fleck. Eines Tages, kurz nach dem Tod seiner Ehefrau, erleidet Daniel bei der Arbeit einen Herzinfarkt – und wird von seinem Arzt arbeitsunfähig geschrieben.

Um überhaupt an etwas Geld zu kommen, wird der kranke Mann von nun an zwischen den Ämtern hin- und hergeschickt  - und es beginnt eine albtraumhafte Odysse von Behörden-Gängen, Telefonwarteschleifen und Online- Formularen, in deren Verlauf Daniel Blake komplett gedemütigt wird und schließlich sogar im Gefängnis landet.

"Ich, Daniel Blake" ©2016 PROKINO Filmverleih GmbH
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Loach zieht alle Register seines Könnens

"Ich, Daniel Blake" ist der neue Film von Englands Regie- Altmeister Ken Loach, und es ist einer seiner Besten. Loach, vor kurzem 80 Jahre alt geworden, zieht hier noch mal alle Register seines Könnens. Die tristen Kulissen eines Arbeiterviertels, das rauhe, aber herzliche Miteinander der Menschen am unteren Ende der Einkommens-Pyramide – und eine Hauptfigur aus der Arbeiterklasse, die versucht, den Widrigkeiten der neoliberalen Welt die Stirn zu bieten.

So weit, so erwartbar. Aber – auch das gehört zu den Filmen von Ken Loach dazu: dieser Film strahlt eine Menge menschlicher Wärme aus. Loach ist kein Zyniker und kein Defätist, sondern ein Regisseur, der an das Gute im Menschen glaubt. Das macht seine Filme in all ihrer Traurigkeit sympathisch und anrührend.

"Ich, Daniel Blake" ©2016 PROKINO Filmverleih GmbH
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Dave Johns überzeugt als Working Class-Don Quichotte

Dave Johns, eigentlich ein Standup-Comedian, überzeugt in seinem Leinwanddebüt als Working Class-Don Quichotte im Kampf gegen die Windmühlenflügel der Bürokratie. Neben ihm spielt die ebenfalls noch unbekannte Hayley Squires die weibliche Hauptrolle: Sie ist die junge Katie, eine alleinerziehende Mutter mit 2 Kindern, mit der Daniel Blake eine Art Schicksalsgemeinschaft eingeht und aus der er neue Hoffnung für sein Dasein schöpft.

In Cannes gewann der Film die Goldene Palme

"Ich, Daniel Blake" ist ein Film über die Schattenseiten der neoliberalen Gesellschaft, über die Abgehängten und Zurückgebliebenen, über Menschen, die lebenslang gearbeitet haben und die trotzdem am Ende ihres Arbeitslebens mit leeren Händen da stehen. Eine Bestandsaufnahme der englischen Gesellschaft von heute, die gleichermaßem überzeugt und anrührt. In Cannes gewann der Film in diesem Jahr die Goldene Palme für den besten Film.

Carsten Beyer, kulturradio

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