Alle Farben des Lebens mit Elle Fanning, Naomi Watts und Susan Sarandon;; © Tobis Film
Bild: Tobis Film

Drama - "Alle Farben des Lebens"

Bewertung:

Im Kino ist das Thema Transgender längst angekommen. Die britische Regisseurin Gaby Dellal nähert sich diesem sensiblen Thema nun auf pfiffige Art.

Immer häufiger ist von Menschen zu hören, die sich im falschen Körper gefangen fühlen und eine Geschlechtsumwandlung vornehmen lassen. Nachdem diese Transgender-Menschen ihr Anderssein früher meist verschämt verheimlichen mussten, ist das Thema inzwischen nicht nur im öffentlichen Diskurs, sondern auch im Mainstream-Kino angekommen. Im letzten Jahr wurde Eddie Redmayne für seine Darstellung eines Malers, der in "The Danish Girl" die erste operative Geschlechtsangleichung wagt – in den Zwanziger Jahren noch absolutes Neuland – mit einem Oscar ausgezeichnet.

Morgen kommt bei uns ein Film ins Kino, der von einer Sechzehnjährigen erzählt, die sich als Junge fühlt und zusammen mit ihrer Familie eine hormonelle und operative Geschlechtsumwandlung anbahnt, "Alle Farben des Lebens" von der britischen Regisseurin Gaby Dellal.

Mit verwackelt vibrierenden, kippenden und angeschnittenen Bildern stürzt sich der Film mitten hinein in die Unsicherheit dieses Teenagers, der auf dem Skateboard durch die Straßen von New York saust.

Aus dem Off erzählt sie vom turbulenten Leben in einer kunterbunten Patchwork-Familien-WG mit ihrer Mutter, ihrer Großmutter und deren Lebensgefährtin. Seit sie denken kann, habe sie auf die Frage was sie sich zum Geburtstag wünsche, nur eine Antwort gehabt: Ein Junge zu sein.

Obwohl der Film erst einsetzt als die Entscheidung im Grunde schon gefallen ist, sind alle Beteiligten noch in den Prozess der Gewöhnung verstrickt. Insbesondere Rays Mutter Maggie, die für ihre minderjährige Tochter unterschreiben muss, ist hin- und hergerissen, ob sie das Richtige tut.

Zusätzlich kompliziert wird die Situation, als auch die Unterschrift des Vaters gebraucht wird, zu dem Mutter und Tochter seit vielen Jahren keinerlei Kontakt haben.

Kein hartes Sozialdrama

Der Film der britischen Regisseurin ist kein hartes Sozialdrama, eher schon wirkt er wie ein Hollywood-Film, in dem das Familienleben im dreistöckigen Haus kunterbunter ist als das wirkliche Leben, in dem alle schlagfertiger sind als im Alltag. Aber es ist auch ein Film, der das Herz am rechten Fleck hat, der so mitreißend, warmherzig und vielstimmig erzählt ist, dass er auch Menschen erreichen kann, die sonst beim Thema Transgender eher zurückschrecken.

Obwohl er eine gute Portion Feelgood-Flair hat, wird die psychische und physische Not aller Betroffenen ernst genommen, und die Vieldeutigkeit der Geschlechter wird auf pfiffige Weise auf die Sprache übertragen, mit einer Fülle von Wortspielen und Doppeldeutigkeiten.

Alle Farben des Lebens mit Elle Fanning; © Tobis Film
Elle Fanning; © Tobis Film | Bild: Tobis Film

Eine grandiose Schauspielerriege

Der ganz große Coup des Films aber ist die Besetzungsliste, mit drei Generationen großartiger Schauspielerinnen: Elle Fanning, sonst eher eine zarte, mädchenhafte Erscheinung, verwandelt sich glaubwürdig in einen zugleich willensstark und verletzlich zwischen den Geschlechtern oszillierenden Teenager. Naomi Watts lässt das Wechselbad mütterlicher Gefühle in allen Nuancen aufschimmern.

Und Susan Sarandon spielt hier eine weitere ihrer wunderbar unkonventionellen und politisch unkorrekten älteren Frauen, die den Widrigkeiten des Lebens mit viel Witz, erdigem Charme und einer Menge Alkohol Paroli bietet.

Diese grandiose Schauspielerriege hält den Film auch dann mühelos zusammen, wenn er ein bisschen zu konstruiert wirkt, oder auch einfach nur so unordentlich wie das Leben.

Anke Sterneborg, kulturradio

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