Die Hände meiner Mutter; © Kinescope Film
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Drama - "Die Hände meiner Mutter"

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Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen: Familienfeste bieten dem Kino zwischen Komödie und Tragödie immer wieder aufs Neue explosiven Erzählstoff. Traditionell kollidieren da freudige Erwartungen mit dunklen Familiengeheimnissen.

Zu den berühmtesten Beispielen gehört der dänische Film "Das Fest" von Thomas Vinterberg, in dem der runde Geburtstag des Patriarchen zur dramatischen Abrechnung mit einem familiären Missbrauchsskandal wurde.

Nun wagt sich auch Florian Eichinger – der übrigens nicht der Sohn des berühmten deutschen Produzenten ist! – an so eine Geschichte. Auch hier beginnt es mit einem Fest in der Familie. Der Geburtstag des Vaters wird in größerem Kreis auf einem Schiff, also von vornherein auf schwankendem Boden gefeiert.

Als die Mutter des 39-jährigen Markus von der Toilette zurückkommt und ihr Enkel eine kleine Schramme am Kopf hat, löst der Vorfall in seinem Vater düstere Erinnerungen an seine Kindheit aus, die sich bald zu der Gewissheit verdichten, dass er in seiner Kindheit von der Mutter wiederholt missbraucht wurde.

Die Hände meiner Mutter; © Kinescope Film
© Kinescope Film | Bild: Kinescope Film

Unbequem, beklemmend und eindringlich

Nach "Bergfest" und "Nordstrand" ist "Die Hände meiner Mutter" schon der dritte Film, in dem sich Florian Eichinger mit dem Thema häusliche Gewalt auseinandersetzt, gespeist aus Beobachtungen in seiner weitläufigen Patchwork-Familie. Dabei sucht er immer die weniger offensichtlichen Konstellationen. Also kreist er in diesem Fall um eine Frau, eine Mutter, die nicht Opfer sondern Täterin ist, was sonst selten zur Sprache kommt.

Statt dieses Tabuthema jedoch reißerisch als Skandal zu dramatisieren, untersucht Eichinger behutsam und zurückhaltend die Auswirkungen und Reaktionen im Umfeld von Freunden, Familienangehörigen und Ehepartnern, die verschiedenen Formen der Verarbeitung und Verdrängung.

Dazu gehört auch, dass er die Rolle des Kindes demselben Schauspieler übertragen hat, der auch den erwachsenen Markus spielt, und zwar dem vor allem am Theater arbeitenden Andreas Döhler. Damit bewirkt Eichinger eine zusätzliche Irritation, eine eigentümliche Verschiebung der Perspektive vom Kind zum sich erinnernden Erwachsenen.

Weil Eichinger ungeschönt dahin geht wo es wehtut, ist sein Film zugleich unbequem, beklemmend und eindringlich.

Anke Sterneborg, kulturradio

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