Ein Lied für Nour; Foto: © Koch Media
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Drama - "Ein Lied für Nour"

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Die bisherigen Filme von Hany Abu-Assad waren politisch aufgeladene, harte Sozialdramen. Im Vergleich dazu mutet der Stoff seines neuesten Films geradezu wie ein Märchen an.

In "Paradise Now", der 2005 auf der Berlinale im Wettbewerb lief, ging es um palästinensische Selbstmordattentäter und der Folgefilm "Omar" erzählte von palästinensischen Jugendlichen, die ihre Lebensperspektiven gegen aussichtlose Verhältnisse verteidigen.

Nun erzählt "Ein Lied für Nour" vom Triumph eines jungen Mannes aus Gaza, der in der arabischen Casting Show "Arab Idol", auftrat – und tatsächlich auch gewann.

Gegen alle Widerstände

Dabei erinnert "Ein Lied für Nour" in vielerlei Hinsicht sehr an "Slumdog Millionaire" von Danny Boyle. Auch der handelte schon von einem jungen Mann, einem Underdog, der damals in Indien gegen alle Widerstände und Wahrscheinlichkeiten in einer Quizshow triumphierte. So wie dort gibt es auch hier zwei Zeitebenen, Kindheit und Erwachsenenalter.

Als Kinder gründen Mohammed Assaf, zwei Freunde und seine Schwester Nour eine Band. Mit improvisierten Instrumenten spielen sie auf Hochzeiten und Familienfesten, wo die schöne Stimme von Mohammed immer wieder auffällt. Für Nour wird dieses Projekt zum Lebenstraum: "Eines Tages", sagt er, "werden wir groß rauskommen und die Welt verändern."

Als Nour schwer krank wird und stirbt, setzt der erwachsene Mohammed alles daran, ihren Traum an ihrer Stelle und gegen alle Widerstände zu verwirklichen.

Mehr als ein Feelgood-Movie

Hany Abu Assad hat sich beim Nacherzählen dieser wahren Geschichte gewisse inhaltliche Freiheiten genommen, legt aber zugleich großen Wert auf Authentizität. Das heißt, er hat mit vielen Laien aus der Region gearbeitet und an Originalschauplätzen gedreht.

Der Film hat zwar einen sehr viel versöhnlicheren und charmanteren Grundton, als seine Vorgänger, ist aber doch sehr viel mehr als nur ein Feelgood-Movie mit Musik. Durch seine Herkunft, sein Leben und seine Karriere ist Hany Abu-Assad ein Wanderer zwischen den Welten. Immer wieder hat er Geschichten im Spannungsfeld von Israel und Palästina erzählt.

Auch "Ein Lied für Nour" ist von der Hoffnung auf eine politische Befriedung dieser explosiven Region getrieben, statt Waffen lässt er Lieder sprechen. Damit erzählt der Film auch von der völkerverständigenden Kraft der Kunst, mit der auch der Regisseur als Filmemacher arbeitet.

Über den persönlichen Triumph eines Underdogs hinaus geht es auch darum, dass die Stimme der Gaza-Bewohner von einer breiten Öffentlichkeit gehört wird.

Anke Sterneborg, kulturradio

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