Einfach das Ende der Welt © Shayne Laverdière, Sons of Manual

Drama - "Einfach das Ende der Welt"

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Ein Familiendrama, in dem es um jahrelang angestaute Verletzungen und Enttäuschungen geht und darum, wie schwierig Kommunikation sein kann.

Sieben Jahre sind vergangen seit der frankokanadische Filmregisseur Xavier Dolan auf dem Festival von Cannes mit seinem Debütfilm "Ich habe meine Mutter getötet" als Wunderkind gefeiert wurde. Das Drehbuch dazu hatte er schon mit 17 geschrieben, er fungierte nicht nur als Regissuer und Autor, sondern auch als Hauptdarsteller und Produzent. Seitdem liefert er zuverlässig wie Woody Allen jedes Jahr einen Film ab.  Am kommenden Donnerstag läuft sein neuester bei uns an, "Einfach das Ende der Welt", nach einem Stück von Jean-Luc Lagarce.

Es geht wieder um eine dysfunktionale Familie

Wie in den bisherigen Filmen von Xavier Dolan geht es auch hier wieder um heftige Familienthemen. Auch hier geht es um Liebe, Tod und  Krankheit, um eine dysfunktionale Familie und einen homosexuellen Helden, den Dolan allerdings dieses Mal nicht selbst spielt.

Louis ist ein 34jähriger Schriftsteller, der nach zwölf Jahren Abwesenheit in sein Elternhaus zurückkehrt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Rückkehr einen dramatischen Grund hat. Louis will seiner Mutter (Nathalie Baye) , seiner jüngeren Schwester (Léa Sedoux), seinem Bruder (Vincent Cassel) und dessen Frau (Audrey Tautou) mitteilen, dass er an einer tödlichen Krankheit leidet. Im autobiografischen Stück, auf dem der Film basiert, hat Lagarce seine eigenen Erfahrungen verarbeitet, er selbst ist fünf Jahre nach Erscheinen des Stückes an AIDs gestorben.

Einfach das Ende der Welt © Shayne Laverdière, Sons of Manual
© Shayne Laverdière, Sons of Manual

Alle sind mit ihren Befindlichkeiten beschäftigt

Wie so oft erweist sich das Familientreffen als explosiver Kinostoff. Alle Familienangehörigen reagieren extrem angepannt und nervös und verhalten sich entsprechend hyperaktiv. Aus einer Fülle von Andeutungen und mehr oder weniger verhaltenen Anschuldigungen erschließen sich sukzessive die über die Jahre angestauten Verletzungen und Enttäuschungen. Alle sind so sehr mit ihren eigenen Befindlichkeiten beschäftigt, dass sie gar nicht merken, dass Louis ihnen etwas Wichtiges zu sagen hat.

Einfach das Ende der Welt © Shayne Laverdière, Sons of Manual
© Shayne Laverdière, Sons of Manual

Fasziniert von den egozentrischen Figuren

Nach "Sag nicht wer Du bist" hat Dolan zum zweiten Mal ein Theaterstück verfilmt. Den Aufruhr der Gefühle überträgt er seismografisch auf die Kamera, die den Schauspielern immer wieder klaustropbisch eng und fordernd aggressiv auf die Pelle rückt. Je lauter und aggressiver alle reden, desto offensichtlicher wird das Unausgesprochene und Unsagbare, die Unfähigkeit zur Kommunikation in der Familie.

Zum ersten Mal arbeitet Dolan hier mit einer ganzen Riege sehr bekannter französischer Schauspieler, deren Strahlkraft dafür sorgt, dass man den unverhohlen unsympathischen und egozentrischen Figuren dennoch fasziniert folgt. Zusammen mit dem impulsiven Regiestil machen sie "Einfach das Ende der Welt" zu einem faszinierenden Wechselbad der Gefühle, das vor allem davon handelt, wie schwer es Menschen manchmal fällt zu kommunizieren.

Anke Sterneborg, kulturradio

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