"Paula" © Pandora Film/ Martin Menke

Drama - "Paula - Mein Leben soll ein Fest sein"

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Ein Film über die Malerin Paula Modersohn-Becker, die relativ jung starb und trotzdem hunderte Gemälde und Zeichnungen hinterlassen hat.

Schon am Ende des vorletzten Jahrhunderts behauptete sie ihren ganz eigenen Stil. Sie malte Bäuerinnen, gestandene Frauen vom Lande mit schweren Körpern und große dunklen Augen, die nachdenklich, eigenwillig und von traurigem Ernst erfüllt auf den Betrachter schauen. Aber auch den Dichter Reiner Maria Rilke, mit dem sie befreundet war, hat sie portraitiert. Paula Modersohn-Becker wurde nur 31 Jahre alt und hat doch rund 750 Gemälde, 1000 Zeichnungen und einige Radierungen erschaffen. Jetzt widmet der Regisseur Christian Schwochow dieser besonderen Künstlerin einen Film, gespielt wird sie von Carla Juri.

Heute überstrahlt ihr Ruhm den ihres Mannes

Zaghaft und zurückhaltend, fast kindlich verspielt hält Paula in der ersten Szene ein Bild vor ihren Körper, als wolle sie sich verschämt verstecken. Als sie ihrem Vater hier eröffnet, dass sie Künstlerin werden möchte, läuft das der damals weit verbreiteten Ansicht zuwider, dass Frauen nicht das Zeug hätten, Malerinnen zu werden, dass der einzige Schöpfungsakt zu dem sie fähig seien, die Geburt sei.

Dennoch lässt der Vater sie gewähren, sie schließt sich der Künstlerkolonie Worpswede an, wo die Maler mit Farben, Pinseln und Staffeleien aus den Ateliers in die Landschaft hinausziehen und das alltägliche Leben in ihre Bilder aufnehmen. Auch hier stößt Paula auf Widerstände, behauptet sich aber mit einem ausgesprochen eigenwilligen Stil. Im Gegensatz zu den der Wirklichkeit verhafteten Männern malt sie was sie sieht und fühlt. Die naive Klobigkeit ihrer Bilder wirkt ungezügelt, frisch und modern, gerade auch im Vergleich zu den gesetzten Werken ihres späteren Mannes Otto Modersohn, dessen Ruhm sie heute überstrahlt.

"Paula" © Pandora Film/ Martin Menke
"Paula" © Pandora Film/ Martin Menke

Filme über starke, widerspenstige Frauen

Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass mit Christian Schwochow ein Mann die Ehrenrettung dieser lange verkannten Künstlerin übernommen hat. Doch auch seine früheren Filme "Novemberkind" und "Die Unsichtbare" waren bereits von starken, widerspenstigen Frauen getragen.

So geht es in "Paula" neben der Rekonstruktion eines Künstlerlebens zugleich um sehr moderne Themen wie die Schwierigkeit, berufliche und künstlerische Selbstverwirklichung mit menschlichen Beziehungen unter einen Hut zu bekommen. Zusammen mit den Autoren Stefan Kolditz und Stephan Suschke, die den ersten Anlauf zu diesem Drehbuch schon zu DDR-Zeiten unternommen haben, arbeitet der Regisseur viele aktuelle Bezüge heraus, zu denen in besonderem Maße auch die Widerstände gehören, mit der es Frauen bis heute zu tun haben.

"Paula" © Pandora Film/ Martin Menke
"Paula" © Pandora Film/ Martin Menke

Die Schauspielerin Carla Juri lässt diese Paula zwischen kindlich zarter Unschuld und trotziger Willensstärke oszillieren, eine Mischung mit der Paula ihr künstlerisches Selbstverständnis erfolgreich gegen die von Männern dominierte Kunstwelt verteidigt.

Anke Sterneborg, kulturradio

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