Salt and Fire © Camino Filmverleih
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Thriller - "Salt and Fire"

Bewertung:

Großartige Bilder, aber ...

Die Vulkan-Expertin Laura Sommerfeld (Veronica Ferres) leitet eine dreiköpfige Delegation, die im Auftrag der Vereinten Nationen in Bolivien einen Salzsee untersuchen soll, der sich auf mysteriöse Weise immer weiter ausdehnt. Schon bei ihrer Ankunft werden die Wissenschaftler gekidnappt  und von einer Gruppe vermummter Gestalten auf eine abgelegene Ranch gebracht. Dahinter - so stellt sich heraus, steckt Matt Riley (Michael Shannon), der Chef der Firma, die das ganze Schlamassel verursacht hat. Riley möchte die Sache allerdings nicht etwa vertuschen, sondern im Gegenteil: er will ganz sichergehen, dass die Öffentlichkeit in vollem Umfang über die Umweltschäden informiert wird.

Salt and Fire © Camino Filmverleih
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Surreal

Dieses – für den Chef eines internationalen Firmenkonsortiums eher ungewöhnliche - Verhalten wird im weiteren Verlauf des Films nicht wirklich aufgeklärt, stattdessen driftet der Plot vollends ins Surreale ab:

Riley setzt die Leiterin des Forschungsteams zusammen mit 2 blinden Indiokindern tagelang in der Salz-Wüste aus - nur mit einem Zelt, einigen Vorräten und ein paar Wasserkanistern. Und da sitzen sie dann, spielen Mensch Ärger Dich nicht und kochen ab und zu ein Schälchen Reis, während Sommerfeld sinnierend in die Gegend schaut und ihrem Laptop hin und wieder ein paar Tagebucheinträge diktiert. Von den anderen gefangen gehaltenen Wissenschaftlern ist auf einmal keine Rede mehr, auch die angeblich so verheerende Naturkatastrophe spielt keine Rolle mehr , stattdessen machen sich die beiden Hauptdarsteller schöne Augen und diskutieren über die Wandmalereien in einem italienischen Kloster.

Salt and Fire © Camino Filmverleih
© Camino Filmverleih | Bild: Camino Filmverleih

Was das Ganze soll, bleibt bis zum Schluss Rileys und auch Herzogs Geheimnis. Man wird den Verdacht nicht los, dass Werner Herzog ganz einfach von der Schönheit seines Drehorts überwältigt wurde. Dass er solange in den Bildern seines Kameramannes Peter Zeitlinger gebadet hat, bis ihm entfiel, dass ein Film ja auch eine Handlung braucht oder zumindest eine Botschaft.

Salt and Fire © Camino Filmverleih
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Zu esoterisch, zu verkitscht

In den USA – wo er seit vielen Jahren lebt – wird Werner Herzog gefeiert wie kaum ein anderer deutscher Regisseur – aufgrund seiner Abenteuerlust und seines unabhängigen Geistes. Trotzdem: Auch ein Kult-Regisseur muss seine Relevanz immer wieder aufs Neue beweisen. Das ist Werner Herzog mit "Salt and Fire" definitiv nicht gelungen. Dazu ist dieser Film trotz seiner großartigen Bilder zu esoterisch, zu verkitscht und letzten Endes auch zu langweilig.

Carsten Beyer, kulturradio

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