Die feine Gesellschaft, © Neue Visionen
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Komödie - "Die feine Gesellschaft"

Bewertung:

Vom spröden Realismus der früheren Spielfilme von Bruno Dumont ist in dieser schrillen und bisweilen enervierenden Groteske wenig zu spüren.

Die Filme von Bruno Dumont machen es dem Zuschauer nicht leicht. Sie provozieren mit Darstellungen der drastischen Hässlichkeit des menschlichen Verhaltens, mit einem unerbittlich spröden Realismus von Gewalttätigkeit und Sexualität. Doch dann begann der französische Regisseur im Jahr 2014 einen anderen, komödiantischen Ton anzuschlagen, in der gefeierten Miniserie "Kindkind", eine Krimigeschichte bei der menschliche Leichenteile an einem idyllischen französischen Küstenort in den Mägen von Kühen gefunden wurden.

Skurril

Ähnlich skurril geht es auch in seinem neuesten Spielfilm "Eine feine Gesellschaft" zu. In einem idyllisch rauen Sommer an der französischen Normandie-Küste im Jahre 1910 kommt es zum heftigen Clash der Kulturen, zwischen der bettelarmen Fischerfamilie Brufort (ein Hinweis auf die rohe Kraft die hier waltet) und der gut situierten Landadel-Familie Van Peteghem. Während die einen in einfachen Verhältnissen leben und der harschen Landschaft als Muschelsammler mühsam eine Existenz abringen, residieren die anderen im monströsen Palast und genießen die die saubere Luft und die malerische Kulisse. Als sich zwischen dem Fischersohn Lümmel und der Adligen-Tochter Billie eine zarte Romeo-und-Julia-Liebesgeschichte entspinnt, sind die verschiedenen Clans gezwungen, mehr miteinander zu tun zu haben, als ihnen lieb ist. Darüberhinaus verschwinden regelmäßig Touristen aus dem abgelegenen Küstenörtchen - wie sich bald herausstellt, landen sie in den Kochtöpfen der Armen.

Die feine Gesellschaft, © Neue Visionen
Die feine Gesellschaft, © Neue Visionen

Laiendarsteller vs. Schauspielgrößen

Der skurril überdrehte Kannibalismus erinnert an die bösen Komödien von Jean Pierre Jeunet ("Delikatessen") oder Anders Thomas Jensen ("Dänische Delikatessen"), wobei hier allerdings die Perspektive der Kannibalen mit derjenigen der sogenannten feinen Gesellschaft kontrastiert wird, die im Vergleich eher schlecht wegkommen. Die affektierte Sprache der Landadligen produziert ebenso wenig sinnvolle Kommunikation wie die Grunzlaute und Handgreiflichkeiten der Fischer.

Die feine Gesellschaft; © Neue Visionen
Die feine Gesellschaft, © Neue Visionen | Bild: Neue Visionen

Zusätzlich verstärkt wird der Kontrast der beiden Parteien durch das Aufeinandertreffen von Laiendarstellern, die hier zum ersten Mal vor der Kamera stehen, und Schauspielgrößen wie Juliette Binoche, Valeria Bruni Tedeschi und Fabrice Lucchini, die offensichtlichen Spaß daran haben, sich rückhaltlos zum Affen zu machen. Lustvoll zirpen und kreischen sie in schrillem Koloratu-Singsang, zappeln und hampeln in aufgeplusterten Kostümen mit Rüschen und Epauletten. Vom spröden Realismus der früheren Spielfilme von Dumont ist in dieser schrillen und bisweilen enervierenden  Groteske wenig zu spüren. Was geblieben ist, ist die düstere Weltsicht des Regisseurs.

Anke Sterneborg, kulturradio

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