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Drama, Biopic - "Jackie"

Bewertung:

Pablo Larraín Film beleuchtet das Leben der Präsidentengattin in den Tagen nach dem tödlichen Attentat auf ihren Ehemann John F. Kennedy. Er handelt vor allem von der Entstehung des Mythos.

Über John F. Kennedy gibt es eine ganze Reihe von Filmen, auch das Attentat auf den 35.Präsidenten der USA und die vielen Rätsel und Verschwörungstheorien, die es auch mehr als 50 Jahre danach noch immer umranken, wurden oft filmisch erforscht, als Dokumentation, als Spielfilm, zuletzt sogar als Serie (22.11 63 DVD-Tipp). Doch zum ersten Mal stellt jetzt ein Film seine Frau und Witwe ins Zentrum, Jackie Kennedy, die zumindest vor Michelle Obama die glamouröseste, eleganteste First Lady Amerikas war. Gedreht hat den Film der Chilene Pablo Larrain, von dem im nächsten Monat ein weiteres, ebenfalls im letzten Jahr entstandenes  Bio Pic in unsere Kinos kommt, über Pablo Neruda.

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Die Entstehung des Mythos

Ein klassisches Biopic, in dem ein Leben relativ chronologisch aufgerollt wird, sollte man von "Jackie" allerdings nicht erwarten. Stattdessen beschränkt sich der Film auf den eng begrenzten Zeitraum von einer Woche und kreist um den Moment, in dem Jackie Kennedys Leben als First Lady durch die beiden Schüsse auf JFK jäh zerstört wurde. Die zentrale Frage ist, wie sich das für sie angefühlt hat, wie sie aus der Schockstarre herausfand, um zu der Frau zu werden, die das Vermächtnis ihres Mannes entschlossen bewahrte und schützte, das heißt der Film handelt vor allem von der Entstehung des Mythos.

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Eigenwilliger Ansatz

Mutig konfrontiert der Chilene Pablo Larrain das große amerikanische Trauma des Präsidentenmordes, und konnte mit seinem ebenso respektvollen wie eigenwilligen Ansatz auch die amerikanischen Kritiker überzeugen. Er baut ein Gerüst aus verbrieften Fakten und öffentlichen Auftritten, dessen Lücken er mit plausiblen Imaginationen füllt. Schlaglichtartig sammelt er verschiedene Facetten ohne dass die Puzzleteile nahtlos zusammenpassen. Man sieht Jackie Kennedy taumelnd in den ersten Minuten nach dem Attentat, in dem mit dem Blut ihres Mannes befleckte Chanel Kostüm, das sie demonstrativ anbehielt.

Der Soundtrack nimmt ihre Erschütterung auf und zieht mit ihr auch den Zuschauer in den Abgrund dieser Erfahrung. Man sieht aber auch wie sie in dieser dramatischen Woche von der behüteten, glamourösen Prinzessin zur selbstbewussten Frau heranwächst. Und man sieht Fernsehausschnitte aus der Zeit vor dem Attentat, in denen Jackie Kennedy mit einer Home Story aus dem Weißen Haus bereist am Mythos arbeitet. Neben den nachgestellten Versionen öffentlicher Auftritte bietet der Film auch einen Blick hinter die Kulissen ihrer Entstehung.

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Oscar nominiert

Nathalie Portman balanciert die berühmte Stilikone zwischen Erschütterung und Stärke, Zerbrechlichkeit und Entschlossenheit aus, darin durchaus verwandt mit ihrer ersten Oscarrolle als ebenso ehrgeizig entschlossene wie fragile Ballerina die in Black Swan. Gestern wurde sie von der Academy für ihre schillernd berührende Darstellung von Jackie Kennedy für einen Oscar nominiert, zusammen mit der Kostümbildnerin Madeline Fontaine und der Komponistin Mica Levi.

Anke Sterneborg, kulturradio

Weitere Rezensionen

Suburbicon; © 2017 Concorde Filmverleih GmbH/Hilary Bronwyn Gayle
2017 Concorde Filmverleih GmbH/Hilary Bronwyn Gayle

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"Mathilde"; © Kinostar Filmverleih/V. Sevastynov
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