"La La Land" © Studiocanal/ Dale Robinette
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Drama/ Musical - "La La Land"

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Singen aus vollem Halse und Tanzen in ausgreifendem Schwung: Das Musical gehört zu den Genres, deren große Zeiten längst vergangen sind. Seit allerdings Damien Chazelles LaLaLand seine Premiere auf dem Festival von Venedig feierte, kommt die Filmgemeinde nicht mehr aus dem Schwärmen heraus, gerade wurde der Film in sieben Kategorien für die Golden Globes nominiert und konnte alle sieben auch gewinnen: Film, Regie, Drehbuch, die beiden Hauptdarsteller Emma Stone und Ryan Gosling, Musik und Song.

Ein Film mit tiefen Gedanken

Der Hype ist berechtigt, weil das nicht einfach nur ein Film mit schönen Oberflächen sondern auch mit tiefen Gedanken ist. Chazelle gelingt es, das klassische Musical ganz ohne ironische Brechung aus vollem Herzen zu zelebrieren und ihm trotzdem zugleich einen ganz modernen, frischen Twist zu geben. Der Film beginnt im Megastau in den Autobahnschlingen von Los Angeles mit einer gigantischen Musicalszene, überall öffnen sich Autotüren, nach und nach steigen die Wartenden aus, tanzen über die Autos und singen aus vollem Hals.

"La La Land" © Studiocanal/Dale Robinette
"La La Land" © Studiocanal/ Dale Robinette

Mia und Sebastian sind auf der Suche

Statt wie früher im Studio zu drehen, spielt die Szene hier mitten in der Wirklichkeit, auf einem kurzzeitig gesperrten Autobahnstück, in einer durchlaufenden Einstellung. Unablässig spielt Chazelle mit dem Widerspruch zwischen den künstlichen Welten des klassischen Musicals und dem harten Alltag. Die klassische, große Liebegeschichte zwischen Mia und Sebastian verzahnt sich mit komplexen Fragen um künstlerische Verwirklichung und Lebensträume.

Mia möchte Schauspielerin werden und geht gerade durch die Hölle endloser Vorspieltermine während sie sich als Kellnerin durchschlägt. Sebastian ist leidenschaftlicher Jazz-Pianist und träumt davon eine eigene Jazzbar aufzumachen, muss aber inzwischen in einem Restaurant spielen, dessen Besitzer mit Entlassung droht, sollten sich seine Finger je wieder in irgendwelche Jazz-Tonfolgen verirren. Diese kleine Rolle ist mit dem wunderbaren J.K. Simmons besetzt und zitiert dessen Darstellung eines ultrastrengen Schlagzeuglehrers in Chazelles erstem Film "Whiplash", denn auch hier spielt er einen älteren Mann, der den Träumen eines jüngeren im Weg steht.

"La La Land" © Studiocanal/ Dale Robinette
"La La Land" © Studiocanal/ Dale Robinette | Bild: © Studiocanal/ Dale Robinette

Von der Liebe zur Musik getragen

In seinem Debütfilm "Whiplash" hat Damien Chazelle eine sehr persönliche Geschichte erzählt, über den harten Drill, den er an der Musikschule mit einem unerbittlichen Lehrer durchlaufen hat. Auch sein zweiter Film ist von der Liebe zur Musik getragen, und zum zweiten Mal thematisiert er die Dilemmata des künstlerischen Lebens, den Preis, den man für seine Leidenschaften zahlt, die Kompromisse, die man eingehen muss oder nicht, den Wert der Traditionen, die zugleich aber auch weiterentwickelt werden müssen, so wie  Chazelle das mit seinem eigenen Musical gelingt. Zugleich geht es auch um die blöden kleinen Zufälle und Missverständnisse, an denen große Liebesgeschichten scheitern können.

"La La Land" © Studiocanal/ Dale Robinette
"La La Land" © Studiocanal/ Dale Robinette

Werden sie ein großes Kino-Liebespaar?

Alles in allem also ziemlich komplexe und tiefgründige Themen für ein Musical in bunten Farben und im Breitwandformat, in dem Ryan Gosling und Emma Stone nach "Crazy Stupid Love" und "Gangster Squad"  zum dritten Mal zusammen auftreten. Man könnte sich gut vorstellen, dass sie auch zu einem der großen Kino-Liebespaare werden, so wie einst Ginger Rogers und Fred Astaire oder Spencer Tracy und Katherine Hepburn. Was für ein Glück fürs Kino, dass Damien Chazelle den Traum von der Musik ins Kino verlagert hat!

Anke Sterneborg, kulturradio

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