"Manchester By The Sea" © Claire Folger
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Drama - "Manchester By The Sea"

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Ein Mann soll sich nach dem Tod seines Bruders um seinen halbwüchsigen Neffen kümmern und muss sich den Schatten seiner Vergangenheit stellen.

Manchester-by-the-Sea ist eine Kleinstadt an der US-amerikanischen Ostküste. Lee Chandler (Casey Affleck) ist hier groß geworden, bevor er die Stadt nach einer Familientragödie verlassen hat – für immer, wie er dachte. Nun lebt er als schweigsamer Einsiedler in einer Kellerwohnung in Boston und kümmert sich dort als Hausmeister um ein paar heruntergekommene Mietwohnungen.

Rückkehr in den Ort der Kindheit?

Eines Tages allerdings erreicht ihn ein Anruf: Sein Bruder Joe (Kyle Chandler) ist an einem Herzinfarkt gestorben – und Lee soll sich um seinen halbwüchsigen Neffen Patrick (Lucas Hedges) kümmern. Dazu müsste er allerdings nach Manchester zurückkehren. So hat sein Bruder es sich in seinem Testament gewünscht. Lee steht vor einem Dilemma: Ob er die Kraft hat, sich den Schatten seiner eigenen Vergangenheit zu stellen, weiß er nicht. Andererseits will er aber auch seinen Neffen nicht im Stich lassen ...

"Manchester By The Sea" © Claire Folger
"Manchester By The Sea" © Claire Folger

Casey Affleck als Oscar-Favorit

Lange Zeit galt Casey Affleck nur als der kleine Bruder von Ben Affleck. Nach und nach aber hat es der US-amerikanische Filmschauspieler geschafft, sich selbst einen guten Ruf zu erarbeiten. Mit Filmen wie "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" und "Gone Daddy Gone" stieg er in die erste Riege der Hollywood- Darsteller auf. Jetzt, für seine Rolle in "Manchester by the sea", hat Affleck den Golden Globe als bester männlicher Hauptdarsteller gewonnen - und er gilt als einer der Favoriten für die Oscarverleihung.

"Manchester By The Sea" © Claire Folger
"Manchester By The Sea" © Claire Folger | Bild: Claire Folger

Die Geschichte entwickelt sich beiläufig

Die große Stärke dieses Films liegt vor allem darin, wie sich die Geschichte entwickelt – nüchtern, lakonisch, manchmal geradezu beiläufig. Das große Pathos, den sonst bei Familiendramen oft üblichen Gefühlskitsch hat Regisseur Kenneth Lonergan ("You can count on me") ausgespart. Seine Erzählweise erinnert eher an die Kurzgeschichten von Ernest Hemingway oder Annie Proulx.

"Manchester By The Sea" © Claire Folger
"Manchester By The Sea" © Claire Folger

Manchmal fängt er grundlos Streit an

Casey Affleck greift die Dramaturgie dankbar auf und liefert eine ganz große Performance. Dieser Lee Chandler ist charmant, gutaussehend, mit höflichen Umgangsformen – und doch ist ihm seine seelische Verwundung jeder Zeit anzusehen. Oft hält er den Blick gesenkt, die Fäuste sind geballt und manchmal fängt er ohne ersichtlichen Grund Streit an, lässt sich in der Kneipe von irgendwelchen wildfremden Männern zusammenschlagen. Die Gründe für diesen Selbsthass erfährt der Zuschauer erst nach und nach. Sie hier zu verraten, würde zu viel von der Geschichte preisgeben.

"Manchester By The Sea" muss man sich schon selbst im Kino ansehen. Der Weg lohnt sich. Versprochen.

Carsten Beyer, kulturradio

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